Einfach, schlicht, handgemacht
Fast exakt zehn Jahre ist das Trauma her, damals, beim letzten «Ring»-Versuch. Nur wenige Wochen nach der «Rheingold»-Premiere im Februar 2002 starb Regisseur Herbert Wernicke. Er hinterließ der Bayerischen Staatsoper ein monumentales Einheitsbühnenbild (den Zuschauerraum von Bayreuths Festspielhaus) und ein paar dürftige Konzeptnotizen. Zu wenig für eine Fortsetzung: David Alden, unter Sir Peter Jonas das Regie-Faktotum, fegte alles beiseite, auch eine schnell eingeschobene Notfall-«Walküre» von Hans-Peter Lehmann, und ließ seine (Kino-)Fantasie sprühen.
Aus Improvisation und Bildfindungslust speisten sich Aldens drei «Ring»-Tage, aus einer überbordenden bis unzusammenhängenden Ideenfülle. Richtig zufrieden wurde damit keiner.
Wagners «Ring» als Konzepttheater, wie es andernorts gepflegt wird, dafür ist das Münchner Nationaltheater also schon lange kein Schauplatz mehr. Insofern schmeckt das neue «Rheingold» sogar nach bayerischer Tradition. Augenfutter statt Thesenpapiere, das findet auch Regisseur Andreas Kriegenburg ganz gut. «Radikal» nennt er seinen Ansatz sogar, der zurückgehen will zu den Theaterwurzeln. Keine Politik, keine Philosophie, kein ächzendes Gedankengebälk, vor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die «Deutsche Seele» ist zurück! – als Revival, als Reflexion in Buch und Bild, als Sehnsucht nach Wald und Flur, Nestwärme und Dämonie. Was hat der Franzose Dominique Horwitz damit zu schaffen, der schon den Teufel im Hamburger Freischütz-Musical «The Black Rider» gespielt hat? Was kümmern den Spanier Calixto Bieito die Obsessionen in der ersten deutschen...
Es ist schon eine gute Weile her, dass Simone Young nach der ersten Pause einer Aufführung in Hamburg mit Beifall empfangen und danach mit enthusiastischem Jubel verabschiedet wurde. Beim Start in die Saison 2011/12 mit Mozarts «Don Giovanni» war es, auch wegen der gefallsüchtigen Inszenierung von Doris Dörrie, zu lauten Unmutsäußerungen gekommen, die zwar in der...
Nichts liegt näher in Verdis «Un ballo in maschera» als die Assoziation mit dem Totentanzmotiv – das Leben, ein bewusstloser Tanz in den Abgrund. Statt des Mondänen das Makabre: Diese Akzentuierung war selten so überdeutlich zu erleben wie in Tatjana Gürbacas detailreicher, fast choreografisch präziser, freilich auch überladener Neuinszenierung am Staatstheater...
