Das Tier im Sänger
Herr Brück, Sie wirken vom Typus her robust. Sind Sie es?
Ich kann eine Menge einstecken, das ist richtig. Man muss es können. In dem Moment, wo man sich öffentlich präsentiert, wird man auch öffentlich angreifbar.
Als dünnhäutig würden Sie sich nicht bezeichnen. Aber als normal?
Schon, aber mit einer gesunden Portion Schamlosigkeit. Ich denke, das ist sogar ein wichtiger Bestandteil meines Berufs. Freilich gibt es Grenzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mich pro Vorstellung zweitausend Leute nackt sehen wollen.
Wann sind Sie zum Beispiel schamlos?In den «Carmina Burana», inszeniert von Götz Friedrich, zieht sich der Bariton bis auf die Unterhose aus. Im Kontext der Regie eine eher witzige Szene – da stört dann der Waschbärbauch auch nicht so sehr. Ein anderes Beispiel: der Michael-Jackson-Griff im «Barbier von Sevilla» von Katharina Thalbach. Sich nonchalant in den Schritt zu fassen – dazu gehört Schamlosigkeit. Die Thalbach hat bei den Proben einfach gesagt: «Ich stell mir da einen kleinen Italiener vor, zwischen acht und zehn Jahren, der das ganz beiläufig tut.» Oder wieder bei Götz Friedrich: In dessen «Matthäus-Passion» sollte ich als Jesus bis auf einen Lendenschurz ...
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