Einfach berührend

Ciceri/Verdi: L’ultimo sogno
KASSEL |STAATSTHEATER

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Man sieht es, das Drama. Und muss sogleich an Heinrich Heine denken, an die zweite und dritte Strophe seines tieftraurigen «Traum»-Gedichts, darin die Seele des Dichters so unverkennbar leidet an der Welt. «Ich habe im Traum geweinet, / Mir träumt’, du verließest mich. / Ich wachte auf, und ich weinte, / Noch lange bitterlich. – Ich hab’ im Traum geweinet, / Mir träumte, du bliebest mir gut. / Ich wachte auf, und noch immer / Strömt meine Tränenflut.

»

Die Frau, die da vorn auf einer schlichten Ma­tratze liegt, im leichenblassen Nachthemd und grauer Strickweste, die Haare wirr, der Blick verstört, sie träumt diesen Heine-Traum. Das Leben mag nicht länger mit ihr verhandeln, die Schwindsucht rafft sie dahin, alle Hoffnung, es möge die Sonne dereinst noch einmal scheinen, ist vergebens. Und so weint sie sich, singend, schmachtend, sehnend, noch einmal durch dieses dahinschwindende Leben, während hinter ihr elegant gekleidete Herren nach und nach den gesamten Hausrat durch den ehemals mondänen, nunmehr gänzlich leeren Salon hinaustragen, den Hermann Feuchter ersann; Sessel, Sofas, Kronleuchter, Schmuckkästchen, einfach alles. Sogar das Betttuch reißt man der sterbend Träumenden unter ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jürgen Otten

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