Eine Reise
Herr Frey, im vergangenen Jahr, als Sie zum neuen Bremer Generalintendanten bestellt wurden, rauschte es im Blätterwald der Feuilletons: Angeblich wollten Sie die Bremer Oper zu einem Stagione-Theater umfunktionieren. Jetzt, wo Ihr Spielplan für die erste Saison vorliegt, liest sich alles doch etwas anders: Bremen behält ein relativ großes Hausensemble; viele Stücke werden nicht nur anderthalb Monate, sondern zum Teil wesentlich länger zu sehen sein; die Monatsspielpläne bringen bis zu fünf verschiedene Opernproduktionen im Wechsel.
Also eigentlich alles wie bisher?
Da muss ich ein bisschen weiter ausholen. Als ich Ende März 2006 engagiert wurde, war das Theater von der Insolvenz bedroht, und der Senator hatte ein Gutachten von Price-Waterhouse anfertigen lassen, das sehr umstritten war in der Theaterlandschaft. In diesem Zusammenhang hieß es, dass man über neue Strukturen nachdenken müsse. Dieses Thema liegt mir auch am Herzen, weil ich nicht glaube, dass es mit dem Repertoiretheater und seinen öffentlichen Subventionen in den jetzigen Strukturen für die nächsten zwanzig Jahre so uneingeschränkt weitergehen kann. Das war dann zunächst auch der Ausgangspunkt der Gespräche und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Träume. Theater hat immer etwas von Traumwirklichkeiten. Grundsätzlich ist «Alice in Wonderland» ein Traum und ein Traumgeschehen. Insofern liegt es nahe, Carrolls Traumbuch zu dramatisieren, also in Bilder, in eine Bühnenwirklichkeit und ein handlungsstringentes Geschehen zu transformieren. Ich denke, das Musiktheater eignet sich dafür optimal, und zwar deshalb,...
Ich wollte keine Musik schreiben, die man mehrere Seiten lang erklären muss». Solche Entschiedenheit, geäußert kurz vor der Münchner Uraufführung von «Alice in Wonderland», sagt viel über Unsuk Chins Stellung, ihr Selbstgefühl in der Musiklandschaft der Gegenwart – in der Mitte zwischen den eigenen Wurzeln und vielfältigen westlichen Erkundungen und Erfahrungen,...
Die Beziehung zwischen einem Intendanten und seinem Haus führt, nicht anders als bei Ehepaaren, manchmal zu einer seltsamen Form von Mimikry: Das Selbstverständnis eines Fünfhundert-Personen-Betriebs verdichtet sich dann, so kommt es einem vor, nicht nur in der Person des Chefs, sondern sogar in bestimmten Details seiner Kleidung. Die legendäre Lederweste Götz...
