Eine Pfütze namens Meer
Nach der Pause geht die halbe Reihe hinter uns geschlossen nach Hause. Als ob die Musik von Benjamin Britten 80 Jahre nach der Uraufführung von «Peter Grimes» noch anecken würde. Oder empört im 21. Jahrhundert ernsthaft das moralisch Graue? An der Umsetzung kann dieser Unmut nicht liegen. Robin Davis, der neue GMD der Bielefelder Philharmoniker, zeigt, dass Britten nicht nur emotional komplexes Musiktheater, sondern auch Theatermusik geschrieben hat. An manchen Stellen vergisst man, dass die famosen Sängerdarsteller überhaupt singen.
Matthew Wild wiederum gelingt der in Verbindung mit dem Werk oft beschworene Opernkrimi, und er holt weitere Leichen aus den Kellern des verrotteten Fischerdorfs.
Das Meer ist eine Pfütze, ein stygisches Rinnsal, das die Bühne teilt, dezent und doch omnipräsent vorhanden ist, in der Musik, in den Gummistiefeln, im Fisch, im verhärmten Grau der Trenchcoats. Der Regisseur und sein Team beweisen großes Gespür für Rhythmus. Selbst beim Umbau der minimalistischen Wände von Bühnen- und Kostümbildner Conor Murphy wird nichts dem Zufall überlassen, Komplexes en passant erzählt: Die Industrialisierung hat die Fischerei zu einer Zunft für Träumer und Verlierer ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Anna Chernomordik
Eine Steilvorlage für einen Vergleich bieten zwei neue «Rheingold»-Produktionen. Was sie eint, ist einmal die Tatsache, dass beide in Blickweite genau jenes Stroms stattfinden, auf dessen Grund das mythische Gold lagert. Zudem müssen sowohl die Oper Köln als auch das Theater Koblenz mit den Einschränkungen von Ersatzspielstätten leben. Das Drama von Köln ist...
Yerma», das bedeutet soviel wie «ausgedörrt» und «unfruchtbar». Und es ist gewiss kein Zufall, dass auch die Titelfigur in Federico García Lorcas Drama diesen Namen trägt – eine junge Frau im ländlichen Andalusien, die sich mit Juan, den ihr Vater ausgesucht hat, nur verheiratet hat, weil sie sich in eine Mutterrolle flüchten will. Doch Jahr um Jahr vergeht, ohne...
Wie sich die Bilder gleichen. Wenn sich im Jugendstiljuwel des Lübecker Theaters Karola Sophia Schmid als Sophie und Frederike Schulten als Octavian mit einer nachgerade huldvollen Verbeugung jenem aromatisch aphrodisierenden Gewächs (und damit erstmals auch einander) zuwenden, scheint in der Neuinszenierung jene ikonisch gewordene Rosenüberreichung erneut auf, die...
