Die pure Selbstdarstellung
Zwei Opernpremieren, die im Rückblick als ein musikpolitisches Schlüsselereignis im nationalistisch gefärbten Parteikampf der deutschen Kultur- und Ideengeschichte des frühen 19. Jahrhunderts gelten dürfen, fanden 1821 innerhalb weniger Wochen in Berlin statt – die von E. T. A. Hoffmann eingerichtete deutschsprachige Fassung von Gaspare Spontinis «Olympia», die den Herrschaftsantritt des französischen Kosmopoliten italienischer Herkunft als preußischer Generalmusikdirektor markiert, und die Uraufführung von Webers romantischem Opernmanifest «Der Freischütz».
Während dieser bis heute zum Kernbestand des Repertoires zählt, sind Spontinis effektvoll auf szenische Wirkung bedachte Monumental-Opern – «La Vestale» (1807), «Fernand Cortez» (1809), «Olimpie» (1819) und «Agnes von Hohenstaufen» (1829) – gründlich vergessen. Auch wenn von der «Vestalin» wie von «Olympia» inzwischen mustergültige Aufnahmen vorliegen (in der CD-Buch-Reihe des Palazzetto Bru Zane), dürften wohl nur die wenigsten Leserinnen und Leser diese Werke je auf einer Bühne gesehen haben. Dieses Manko erschwert die Lektüre des von Fabian Kolb herausgegebenen Bandes, der die Kenntnis der «Vestalin», der Lieblingsoper des ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 38
von Uwe Schweikert
Die Klage eines der Überlebenden ist beredt: «Wir wurden zur störenden Erinnerung.» Augen zu, wegschieben, verdrängen fällt eben so viel leichter als erklären, durchdringen und bewältigen. Doch Letzteres funktioniert nicht, wenn zehn Jahre nach dem schrecklichen Vorfall plötzlich alles wieder präsent ist. In einer Familie, die Normalität spielt, so unbeirrt wie...
Harald Schmidt treibt sich gern in Opernhäusern herum. Am liebsten in solchen, die in schönen Städten stehen, wie er beim Künstlertreffen nach der Aufführung freimütig zugibt. Graz ist eine schöne Stadt. Deshalb ist Schmidt hier. Aber wohl auch wegen des Stücks, in dem er mitwirkt und das mit seinem leisen Spott sehr gut zu ihm passt, Schostakowitschs Operette...
Wie sich die Bilder gleichen. Wenn sich im Jugendstiljuwel des Lübecker Theaters Karola Sophia Schmid als Sophie und Frederike Schulten als Octavian mit einer nachgerade huldvollen Verbeugung jenem aromatisch aphrodisierenden Gewächs (und damit erstmals auch einander) zuwenden, scheint in der Neuinszenierung jene ikonisch gewordene Rosenüberreichung erneut auf, die...
