Eine «Opera-Comoedie»?
Die Bach-Forschung weiß viel, doch kann sie nicht alles wissen.
Selbst ein eminenter Kenner wie Christoph Wolf, der langjährige Leiter des Leipziger Bach-Archivs, räumt ein: Wie weit Bachs Interesse am Amt des Dresdner Hofkapellmeisters wirklich ging, ob er eine Chance gehabt hätte, sogar übergesiedelt wäre, und vor allem, ob er dann statt Motetten, Kantaten, Oratorien und Orgelwerken mehr Concerti oder gar italienische Opern im Stil des etablierten Johann Adolf Hasse geschrieben hätte (die Dresdner Uraufführung von dessen «Cleofide» hat er 1731 erlebt; er konnte also ahnen, was man von ihm dort erwartete) – auf diese Fragen gebe es keine gesicherten Antworten. Trotzdem rumort das Thema «Bach und das Theater» immer weiter.
Schließlich war er der überragende Komponist des Barock-Zeitalters, Folge der katholischen Gegenreformation samt ihren prunkvollen Überwältigungs-Tendenzen, die in den neuen höfischen Gattungen Oper und Ballett kulminierten. Die Fürstenhäuser rivalisierten um das Beste und Teuerste. Bach war vielseitig interessiert, belesen, gut über die italienische und französische, selbst polnische und englische Musik seiner Zeit informiert, deren Einflüsse in seinem Werk ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard R. Koch
Marc-Antoine Charpentier (1643-1704) war der bedeutendste Kirchenkomponist des französischen Barock mit einem Riesen-Oeuvre, das dem Bachs kaum nachsteht. Der Weg zur Opernbühne blieb ihm durch das Monopol Lullys bis zu dessen Tod 1687 verwehrt. Mitte der 1680er-Jahre griff er dennoch zum Orpheus-Stoff – allerdings keiner fünfaktigen Tragédie-lyrique, sondern der...
Was heißt schon schwierig? Schwierig ist das Leben, da geht es um alles», hat er einmal geantwortet auf Fragen nach den Anforderungen seines Berufs. «Auf der Bühne geht es doch höchstens um die eigene berufliche Existenz, oder?» Abgeklärtheit spricht daraus, Coolness, auch ein bisschen Ironie. Und all das hat er in seine Rollen mitgenommen. Wenn Jan-Hendrik...
Ein charmanter kleiner Etikettenschwindel ist die Sache schon. Den zweiten «Turandot»-Akt hatte Anna Netrebko bereits in der letzten Silvestergala der Met gestemmt – zusammen mit den ersten Aufzügen aus «Tosca» und «La Bohème». Fürs eigentliche Debüt in der Killerrolle als traumatisierte chinesische Prinzessin erwählte sie nun die Bayerische Staatsoper (wie schon...
