Eine «Opera-Comoedie»?

Am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden ist Bachs «Matthäus-Passion» wieder einmal in einer szenischen Fassung zu sehen. Anmerkungen zu einem komplexen Thema

Die Bach-Forschung weiß viel, doch kann sie nicht alles wissen.

Selbst ein eminenter Kenner wie Christoph Wolf, der langjährige Leiter des Leipziger Bach-Archivs, räumt ein: Wie weit Bachs Interesse am Amt des Dresdner Hofkapellmeisters wirklich ging, ob er eine Chance gehabt hätte, sogar übergesiedelt wäre, und vor allem, ob er dann statt Motetten, Kantaten, Oratorien und Orgelwerken mehr Concerti oder gar italienische Opern im Stil des etablierten Johann Adolf Hasse geschrieben hätte (die Dresdner Uraufführung von dessen «Cleofide» hat er 1731 erlebt; er konnte also ahnen, was man von ihm dort erwartete) – auf diese Fragen gebe es keine gesicherten Antworten. Trotzdem rumort das Thema «Bach und das Theater» immer weiter.

Schließlich war er der überragende Komponist des Barock-Zeitalters, Folge der katholischen Gegenreformation samt ihren prunkvollen Überwältigungs-Tendenzen, die in den neuen höfischen Gattungen Oper und Ballett kulminierten. Die Fürstenhäuser rivalisierten um das Beste und Teuerste. Bach war vielseitig interessiert, belesen, gut über die italienische und französische, selbst polnische und englische Musik seiner Zeit informiert, deren Einflüsse in seinem Werk ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Impressum März 2020

61. Jahrgang, Nr 3
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752331

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion...

Was ich fühle

Frau d’Oustrac, lieben Sie Wagner?
Natürlich liebe ich ihn, so wie ich auch Brahms, Schumann und Liszt liebe. Vollends habe ich diese faszinierende Welt während meines Gesangsstudiums entdeckt, aber bereits zuvor, an der Musikschule, hatte ich mich theoretisch eingehend mit den Frauenrollen in Wagners Werken auseinandergesetzt.

Eine interessante Beschäftigung für...

Im Innern

Ein brillanter Einfall: Um zu verdeutlichen, dass Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz» die schonungslose Offenlegung einer wahnumwölkten Seele thematisiert, deren fast klinisch anmutende Sektion, hat sich Regisseur Marco Štorman für seine Bremer Inszenierung von der Bühnenbildnerin Jil Bertermann ein sogenanntes anatomisches Theater bauen lassen, wie man es...