Eine Frage der Perspektive

Lorin Maazel dirigiert in Valencias neuem Opernhaus Verdis «Simon Boccanegra» und Ravels «L’Enfant et les Sortilèges»

Opernwelt - Logo

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich von dem prächtigen und skurrilen Opern­vogel in Valencia ein Bild zu machen. Eine Möglichkeit ist Ebene Minus Zwei. Das ist die Ebene des ehemaligen Fluss­bettes, in das Santiago Calatravas «Palau de les Arts» eingepasst ist. Sie liegt unterhalb des Straßenniveaus und wird von künstlichen Seen bestimmt, die die Bauten der futuristischen «Stadt der Künste und der Wissenschaften» voneinander absetzen sollen.

Von hier sieht das Gebäude nicht mehr, wie von weitem, nach Riesenvogel aus, sondern wie ein Riesen­hai, der gerade den Zuschauerraum eines Opernhauses verschluckt hat. Als Gebiss blinken die Stahlstreben des Foyers. Schwerelos und mächtig scheint er nach vorne zu gleiten – in Richtung Meer und in Richtung der Golfplätze, für die Valencia europaweit gerühmt wird. Dass sich in seinem Bauch auch ein Konzert-, ein Kammermusik- und ein Orchesterprobensaal befinden, nebst Restaurants, Gesellschafts- und Büroräumen: Man kann es sich erst wirklich vorstellen, wenn man diese Innereien mit eigenen Augen gesehen hat.
Die andere Möglichkeit, diesem verrücktesten Opernversuch Europas nahe zu kommen, sind ein paar Zahlen. Der Etat beträgt rund 50 Millionen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vom Bilderstürmer zum Aufklärer

In den Garten am Hang hinterm Bungalow schüttet der Siegerland-Regen. Reinhard Goebel rutscht auf seinem Biedermeierstuhl herum. «Ich bin kein Opernmensch!», sagt der Mann, der gerade Michael Haydns Salzburger Festoper «Andromeda und Perseus» für die CD und Piccinnis «Catone in Utica» im Nationaltheater Mannheim dirigiert hat. Musikalische Vorlieben, wie sie Goebel...

Auf dem Prüfstand

Helsinki, Mitte März. Über der neuen, 1993 eröffneten Ooppera, dem lichtdurchfluteten Gebäude der Finnischen Nationaloper, strahlt die Frühlingssonne. Draußen, durch die verglaste Ostfassade gut sichtbar, glitzert der noch ver­eiste Töölö-See. Zwei Stunden vor der Premiere sieht man oben im Rangfoyer lauter heitere Gesichter. Aulis Sallinen, dessen 1978 im alten...

Einer flog übers Kuckucksnest

Ist es Zufall, Schicksal, gar Fügung? Jedenfalls ist da schon wieder einer mit diesem Vornamen: Sebastian. Kein Heiliger, gewiss nicht, aber das sind auch die beiden anderen Schauspiel-Regisseure nicht, die dabei sind, das Musiktheater zu revolutionieren, Sebastian Baumgarten und Sebastian Nübling. Und fast scheint es, als ob die Gattung Oper, soeben vierhundert...