Ein Werk der Stunde
Dieser Mephisto kommt mir nicht ins Haus!», rief Bertel Braunfels, die Gattin des Komponisten, voller Vorahnung aus, als Adolf Hitler 1920 nach einem Besuch der «Vögel» an Walter Braunfels herangetreten war. Der spätere «Führer» wünschte sich eine Hymne für seine frisch gegründete Partei und hielt den Namen «Braunfels» für urdeutsch, doch der Komponist lehnte ab. 13 Jahre später sollte der jüdische Familienhintergrund für die Entfernung von Braunfels aus allen Ämtern herhalten; der Komponist ging in die innere Emigration und überlebte die Nazi-Diktatur.
Auf der Grundlage der gleichnamigen Komödie von Aristophanes, in der es um die Macht -ergreifung der Vögel auf Initiative zweier Menschen geht, hat Braunfels eine weitsichtige Opern-Fabel geschaffen, in der die Weltordnung durch Demagogie aus den Fugen gerät. In Oldenburg inszeniert Holger Potocki diese Parabel über Verführbarkeit, Größenwahn und den Untergang einer irrsinnigen Vision als farbenfrohes Spektakel; die zahlreichen mehr oder weniger schrägen Vögel (Bühne und Kostüme: Lena Brexendorff ) stehen für gesellschaftliche Vielfalt. Nachdem die zuvor noch bunte Schar mahnende Stimmen überhört hat und nun darauf eingeschworen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Andreas Ströbl
Erotik als strafbares Mysterium, der sündhafte Mensch unter der Knute Gottes, und das weltberühmte Schmerzensmal eines queeren Komponisten: Dieses Konzert der Berliner Philharmoniker vereinte emotionale und spirituelle Rammböcke. Samuel Barbers «Adagio for Strings» und Sofia Gubaidulinas 2020 unter Oksana Lyniv in Wien uraufgeführtes Orchesterwerk «Der Zorn Gottes»...
Der Züricher Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken hat im vergangenen Jahrzehnt mehrere wichtige Monographien vorgelegt – zu Mozart, Richard Strauss, zur Musik der Renaissance und, unter dem Titel «Der verborgene Sinn», eine gleichermaßen originelle wie bedeutende Studie über «Verhüllung und Enthüllung in der Musik». Um das, was uns die Musik zu bedeuten hat und...
Die Tragédie en musique «Castor et Pollux» von Jean-Philippe Rameau gehört zu den populärsten Werken des großen Franzosen. Teodor Currentzis und Peter Sellars wählten für ihre Neuproduktion im Palais Garnier die erste, umfangreichere Fassung von 1737. Die fast Wagner’sche Länge dieser Version erlaubte es den Interpreten, sämtliche Facetten von Rameaus zwischen...
