Ein üppiger Bilderbogen
Warum nicht mehrere Stile in einem großen Werk verwenden», fragt sich der junge Louis-Ferdinand Hérold 1815 unter den Eindrücken des Wiener Musiklebens in seinem Reisetagebuch. Warum nicht den milden Sacchini und den kraftvollen Gluck in ein «juste milieu» bringen. Dass er 1831 in seiner Opéra comique «Zampa ou La Fiancée de Marbre» mit dem Motiv der einen Wüstling höllisch bestrafenden Statue an Mozart anschloss – an die Stelle des Commendatore trat eine durch den byronesken Corsaren geschändete und verlassene junge Frau – lag auf der Hand.
Aber einen Eklektismus avant la lettre in der Musik präzise zu diagnostizieren und soziologisch einzuordnen, blieb 1835 anlässlich der Wiederaufnahme des Erfolgsstücks an der Pariser Opéra-Comique Hector Berlioz vorbehalten. Für das mittlere Bürgertum («la classe moyenne») sei die Musik des «Zampa» geschrieben. Ihre Mischung aus dem strengen Méhul, dem brillanten Rossini und dem träumerischen Weber kreiere eine «musique parisienne» des Mittelmaßes, einen persönlichen Stil habe sie nicht. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb das Werk ein Pfeiler des Repertoires, danach verschwand es für viele Jahre von der Bildfläche. Nach drei folgenlos ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2026
Rubrik: Medien, Seite 45
von Klaus Heinrich Kohrs
Sieht so eine künftige Königin aus? Wohl kaum. Lady Macbeth, der man so Vieles (meist Böses) angedichtet hat im Verlauf der Rezeptionsgeschichte von Giuseppe Verdis Melodramma, das erstaunlicherweise nicht ihren Namen trägt, erscheint in schlichter Alltagskleidung auf der Bühne. Jeans, T-Shirt, flache Schuhe; sie könnte auch eine Studentin sein oder eine ganz...
Wettbewerbe schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden», stellt Clarry Bartha, Künstlerische Leiterin des DEBUT-Wettbewerbs, kurz vor der Final-Runde in der Kategorie Lied mit einem Hauch von Selbstironie fest. Die gebürtige Schwedin hat selbst eine Bilderbuchkarriere als lyrischer Sopran an bedeutenden Häusern hingelegt und steht nach langer Pause neuerdings (und im...
Das Libretto zu «L’Olimpiade» gehört zu den am häufigsten vertonten Textbüchern Pietro Metastasios. Nachweisbar sind rund 70 Opern, bis hin zum jungen Gaetano Donizetti, die mehr oder weniger auf diese Dichtung zurückgriffen, welche 1733 vom Wiener Hofkomponisten Antonio Caldara erstmals in Musik gesetzt wurde. Giovanni Battista Pergolesis «L’Olimpiade» entstand...
