Ein Stoff unserer Zeit

Poulenc: Dialogues des Carmélites am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Opernwelt - Logo

Vor 70 Jahren wurden Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites» an der Mailänder Scala uraufgeführt. Zwei Tage vor dem Jubiläumsdatum hatte Andrea Schwalbachs Inszenierung des Dreiakters nun in Karlsruhe Premiere. Die «Karmelitinnen» sind im Kernrepertoire angekommen. Dafür sprechen die Neuproduktionen dieser Saison in Rouen, Saar -brücken, Marseille, Stuttgart, Prag und die Wiederaufnahme von Jetske Mijnssens Zürcher Inszenierung in Dresden. Ein Stoff für Regisseurinnen, eine Frauen-Oper.

Die Kerle der Schöpfung dominieren das Theater ja ohnehin über Gebühr (Brittens «Billy Budd», Janáčeks «Aus einem Totenhaus», Donizettis «Lucrecia Borgia»!).

Der Stoff passt gut in unsere Zeit, obwohl das Sujet historisch präzise verortet ist. Auch wenn MAGA, Trump, AfD und einige andere Soziopathen uns anderes einreden wollen: Gegen eine geschlechtergerechte Welt und gegen Heroismus ist nichts einzuwenden, erst recht nichts gegen Werte wie Toleranz, Freiheit und Gleichheit – weswegen an der rostbraunen Außenwand von Anne Neusers Bühnenbild fragmentiert die Parole «Égalité» als Bas-Relief platziert ist. Vielleicht deshalb geht uns Poulencs Meisterwerk derart an. Es berührt zentrale Fragen. Dazu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Editorial Opernwelt 3/26

Es ist leider nicht bekannt, ob sich in der Bibliothek des US-amerikanischen Präsidenten – so er denn überhaupt eine solche besitzt – Werke von Friedrich Nietzsche befinden. Doch vermutlich hat Donald Trump von diesem Denker der Spätromantik noch nie etwas gehört. Aber das ist auch völlig unnötig, schließlich besitzt der misogyne MAGA-Mann jenen «Willen zur Macht»,...

Spiel der Erinnerung

Auf der Bühne herrscht Eiszeit. Schneebedeckte Hügel, soweit das Auge reicht. Eine frostige, lebensfeindliche Landschaft. Blumen gedeihen hier nur im gläsernen Gewächshaus. Als würde man durch ein Fenster ins Unend -liche blicken zeigen Videoprojektionen bedrohliche Wolkenaufwallungen. Regisseur Maxim Didenko und sein Team versetzen Rimski-Korsakows selten...

Das Ende der Trutzburgen

Es gab einfachere Zeiten, um in Deutschland neue Opernhäuser zu bauen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts etwa, als die Reparations-Milliarden nach dem deutsch-französischen Krieg die Wirtschaft des jungen Kaiserreichs in Schwung brachten; als sich neben dem Adel ein starkes, immer finanzkräftiger werdendes Bürgertum herausbildete, das nun seinerseits auf...