Ein Hoch auf die Untreue!
Aus Romanen kennt man die verräterische Versicherung: «Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.» Bloß keine Schadensersatzforderungen, alles garantiert fiktiv! Eine ähnliche Schutzbehauptung würde heute wohl auch der Oper «La libertà contenta» (Die zufriedene Freiheit) von 1693 vorausgehen, dem siebten Gemeinschaftswerk des Komponisten und Diplomaten Agostino Steffani und des Librettisten Ortensio Mauro für den Kurfürstenhof in Hannover.
Auf Deutsch heißt dieses dreiaktige Dramma in der zeitgenössischen Übersetzung von Gottlieb Fiedler – sie liegt der Aufführung zugrunde – etwas umständlich, aber eindeutig personalisiert: «Der in seiner Freiheit vergnügte Alcibiades». Dem Theater Heidelberg ist damit bei seinem Barockfest «Winter in Schwetzingen» ein weiterer Meilenstein der Steffani-Ausgrabungen gelungen, sofern die Bearbeitung des musikalischen Leiters Clemens Flick originalgetreu ist: ein Füllhorn exquisiter Arien jeder Couleur, eine satztechnisch und harmonisch reich ausgestattete Partitur und eine stringente Dramaturgie auf das überraschende Ende hin. Das sorgfältig ausgesuchte Ensemble und das äußerst spielfreudige Philharmonische Orchester Heidelberg mit der ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Lotte Thaler
Monate, ja Wochen gab es, da hatte er fast täglich zu tun. Und dies immerhin in der Schwergewichtsklasse der beiden großen Richards. Geplante Engagements, Proben, dazwischen ein schnelles Einspringen: Es schien, dass Thomas Johannes Mayer dann erst richtig aufblühte. Einfach weil er es konnte. Weil er die großen Bariton-Partien mühelos abrufen konnte, und weil er...
Einen «Kosaken» nannte Ludwig Geyer seinen offenbar äußerst lebhaften Stiefsohn Richard Wagner – und äußerte sich damit wohl aus einer Sympathie seiner Zeit heraus. Die Russen galten seit der Völkerschlacht bei Leipzig (sie fand ein halbes Jahr nach Wagners Geburt statt) als Befreier von der Knechtschaft unter Napoleon. Der Exotismus, der sich aus dem Auftauchen...
Christoph Willibald Glucks «Orfeo» ist auf den Opernbühnen selten zu erleben – erstaunlich genug, wo sich doch die Wirkmacht dieser ersten großen Reformoper aus Glucks Wiener Zeit bis heute erhalten hat. Zugunsten des durchkomponierten Dramas, in dem nichts die Handlung aufhalten durfte, hatte sich der Komponist von der Nummernoper mit ihrem starren Schema aus...
