Ein Hexlein steht im Walde
Die Hörner besingen die Magie des Waldes. Langsam fährt die Kamera im Video von Philipp Contag-Lada während des Vorspiels den Bergwald hinunter, und schon stehen die Bäume in Flammen. Der Wald brennt. Weiter unten sieht man verkohlte Stämme, unter denen Hänsel und Gretel in einer notdürftigen Unterkunft mit den Eltern hausen. Regisseur Axel Ranisch macht von Anfang an klar, warum in Humperdincks Märchenoper die pure Not herrscht. Gelindert wird der Hunger durch riesige bunte Drops, verteilt von einer in roten Pelz gekleideten Charity-Lady.
Die Hexe taucht schon im zweiten Bild auf, von Gretel als das «Männlein im Walde» besungen. Es hat eben vor lauter Purpur das Mäntlein um. Lemurenhafte Kapuzengestalten ohne Gesichter betäuben Kinder mit Elektroschockern und verfrachten sie in Schächte. Überhaupt ist der ganze Bergwald mit einem Röhrensystem unterminiert. So wird noch vor der Hexenfabrik (nach der Pause) deutlich, woraus die leckeren Bonbons hergestellt werden. Und auch der Vater von Hänsel und Gretel hat für die Ernährung der Familie seine Unschuld verloren: Der Besenbinder arbeitet für die Hexe. Denn worauf reitet die Lady durch die Lüfte? Genau!
Im verkohlten Wald enthüllt ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Bernd Künzig
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