CD des Monats: Fantastisch komisch

Valentin Tournet und La Chapelle Harmonique und eine grandiose Solistenschar vitalisieren Rameaus Zauberwerk «Les Paladins»

Opernwelt - Logo

In der Querelle des Bouffons Anfang der 1750er-Jahre, so erzählt es jedes Musikgeschichtsbuch, standen die Vertreter der höfischen Tragédie lyrique hinter ihrer Führungsfigur Jean-Philippe Rameau unversöhnlich den Verfechtern einer progressiven, von italienischen Intermezzi inspirierten komischen Oper entgegen. Doch Geschichte zwingt besonders kluge Menschen manchmal in Lager, zu denen sie nicht oder nur sehr bedingt passen. Dass Rameau die Möglichkeiten des neuen Genres jedenfalls nicht verkannte, bezeugt die letzte zu seinen Lebzeiten uraufgeführte Oper.

«Les Paladins» erzählt im Kern bereits eine jener Geschichten, die die komische Oper bis weit ins 19. Jahrhundert prägen sollten: Der hochdekorierte, ziemlich alte Senator Anselme bewacht eifersüchtig sein Mündel Argie, das nur mit tatkräftiger Unterstützung der Zofe Nérine vom jungen Ritter Atis befreit werden kann. Wie zu erwarten, landete Rameau damit bei der Uraufführung im Jahr 1760 zwischen allen Stühlen. Das Stück blieb eines seiner erfolglosesten, was sich in der Rezeption bis heute widerspiegelt.

Dabei befand sich der 76-Jährige auf der Höhe seines Könnens, wie die wagemutige Einspielung des jungen Dirigenten Valentin ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 29
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Der Preis ihres Lebens

Wie haben wir ihn nicht geschmäht: als Traditionalisten, als Katholiken, gar als Boulevardisten. Das war zu Zeiten, da Darmstadt noch den Vatikan der Neuen Musik beherbergte. Sie sind längst vorbei. Heute blickt man entspannter auf die Musik von Francis Poulenc, zum Beispiel auf die «Dialogues des Carmélites», Poulencs religiöse Oper von 1956 – zumal wenn sie so...

Personalien, Meldungen April 2022

PERSONALIEN, MELDUNGEN

JUBILARE

Matti Lehtinen absolvierte seine Ausbildung an der Sibelius-Akademie in Helsinki und an der Opernschule der Kungliga Operan in Stockholm. 1949 debütierte er als Papageno in Mozarts «Zauberflöte» an der Finnischen Nationaloper und wurde Ensemblemitglied. Im Jahr darauf gewann der Bariton den Internationalen Concours de Genève. 1952–55...

Schwedische Rakete

Ulrich Schreiber hatte, wie meist, recht. Verdis «Don Carlos» ist und bleibt das «Phantom einer Oper», ein «Hauptwerk des 19. Jahrhunderts», das aufgrund seiner vielen Fassungen immer wieder in anderer Gestalt auftritt. Auch in Basel. Die Neuproduktion beruft sich auf die Pariser Version von 1867, arbeitet aber mit Strichen und Modifikationen. Und so beginnt der...