CD des Monats: Fantastisch komisch
In der Querelle des Bouffons Anfang der 1750er-Jahre, so erzählt es jedes Musikgeschichtsbuch, standen die Vertreter der höfischen Tragédie lyrique hinter ihrer Führungsfigur Jean-Philippe Rameau unversöhnlich den Verfechtern einer progressiven, von italienischen Intermezzi inspirierten komischen Oper entgegen. Doch Geschichte zwingt besonders kluge Menschen manchmal in Lager, zu denen sie nicht oder nur sehr bedingt passen. Dass Rameau die Möglichkeiten des neuen Genres jedenfalls nicht verkannte, bezeugt die letzte zu seinen Lebzeiten uraufgeführte Oper.
«Les Paladins» erzählt im Kern bereits eine jener Geschichten, die die komische Oper bis weit ins 19. Jahrhundert prägen sollten: Der hochdekorierte, ziemlich alte Senator Anselme bewacht eifersüchtig sein Mündel Argie, das nur mit tatkräftiger Unterstützung der Zofe Nérine vom jungen Ritter Atis befreit werden kann. Wie zu erwarten, landete Rameau damit bei der Uraufführung im Jahr 1760 zwischen allen Stühlen. Das Stück blieb eines seiner erfolglosesten, was sich in der Rezeption bis heute widerspiegelt.
Dabei befand sich der 76-Jährige auf der Höhe seines Könnens, wie die wagemutige Einspielung des jungen Dirigenten Valentin ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 29
von Michael Stallknecht
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