CD des Monats: Fantastisch komisch
In der Querelle des Bouffons Anfang der 1750er-Jahre, so erzählt es jedes Musikgeschichtsbuch, standen die Vertreter der höfischen Tragédie lyrique hinter ihrer Führungsfigur Jean-Philippe Rameau unversöhnlich den Verfechtern einer progressiven, von italienischen Intermezzi inspirierten komischen Oper entgegen. Doch Geschichte zwingt besonders kluge Menschen manchmal in Lager, zu denen sie nicht oder nur sehr bedingt passen. Dass Rameau die Möglichkeiten des neuen Genres jedenfalls nicht verkannte, bezeugt die letzte zu seinen Lebzeiten uraufgeführte Oper.
«Les Paladins» erzählt im Kern bereits eine jener Geschichten, die die komische Oper bis weit ins 19. Jahrhundert prägen sollten: Der hochdekorierte, ziemlich alte Senator Anselme bewacht eifersüchtig sein Mündel Argie, das nur mit tatkräftiger Unterstützung der Zofe Nérine vom jungen Ritter Atis befreit werden kann. Wie zu erwarten, landete Rameau damit bei der Uraufführung im Jahr 1760 zwischen allen Stühlen. Das Stück blieb eines seiner erfolglosesten, was sich in der Rezeption bis heute widerspiegelt.
Dabei befand sich der 76-Jährige auf der Höhe seines Könnens, wie die wagemutige Einspielung des jungen Dirigenten Valentin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 29
von Michael Stallknecht
Es gibt einen Moment in dieser Inszenierung, an dem sich Opernhandlung und Künstlerbiografie berühren: Andreas Homoki und sein Bühnenbildner Paul Zoller zeigen Menschen mit Koffern auf einem Ozeandampfer – jedenfalls lässt sich in dem mit stilisierten Rettungsringen ausgestatteten Treppenturm, der im zweiten Bild die Szene dominiert, eine Schiffsreling erkennen....
Herr Samoilov, wie geht es Ihnen?
Ich bin sehr, sehr traurig. Ich bin nervös, verzweifelt. Und manchmal alles zusammen. Was ich nicht spüre, ist Aggressivität oder Wut. Ich habe vor allem Angst um meine Familie, die in der Nähe von Odessa lebt, Angst um meine Freunde und Bekannten, Angst aber auch um Menschen, die ich nicht persönlich kenne, die aber diesem Krieg...
In unheimlicher Größe erhebt sich der Brokeback Mountain im Bühnenhintergrund. Ein finsterer Koloss, durchzogen von klaffenden Spalten und Rissen. Die unwirtliche Bergkulisse ist in Lukas Nolls Bühnenbild in schroffem Schwarz-Weiß gehalten, wie eine Federzeichnung. Durch die Videoprojektionen von Marc Jungreithmeier wird sie auf realistische Weise lebendig und...
