Ein heikler Fall
Es war einmal eine goldene Zeit. Da konnten Schallplattenproduzenten aus dem Vollen schöpfen und minuziös getaktete Studioeinspielungen vorlegen. Statt lebendiger Atmosphäre herrschte oftmals makelloser, gleichsam keimfreier Hochglanz-Ästhetizismus. Livemitschnitte blieben in der Regel Dokumenten aus den Rundfunkarchiven vorbehalten. Dann trat das Bild hinzu und generierte in der Folge eine wahre Flut an audiovisuellen Aufzeichnungen. Bis hin zum neuesten Hit-Streaming. Man holt sich Aufführungen einfach frei Haus. Je rarer, desto besser.
So kann man beispielsweise auch Carl Maria von Webers 1823 im Wiener Kärntnertortheater uraufgeführte große heroisch-romantische Oper «Euryanthe» in einer Produktion des Theaters an der Wien vom Dezember 2018 auf DVD erleben. Christof Loys Inszenierung wurde als «Laboratorium der Gefühle, in dem die Affekte verstörter Seelen aufeinanderprallen», profunde analysiert als richtungsweisende Interpretation eines nicht nur kaum bekannten, sondern auch landläufig «unspielbaren» Stücks (OW 2/2019). Was aber bringt es, wenn, noch vor der DVD, auch das reine Tondokument vorliegt? Der Verlust der optischen Komponente wiegt durchaus schwer. Man vernimmt ...
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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 44
von Karl Harb
An Mozarts «Così fan tutte» sind Regisseure reihenweise gescheitert. Zu viel Unsinn enthält Da Pontes Libretto, für den es kaum eine befriedigende szenische Lösung gibt. Wieso erkennen die Schwestern ihre Geliebten nicht mehr, kaum kleben die sich Bärte an? Warum müssen sie, nachdem sie drei Stunden an der Nase herumgeführt und nach Strich und Faden betrogen...
Nicht nur die geografische Heimat verbindet den Dirigenten Philippe Jordan und den Tenor Luca Bernard: Beide waren Mitglieder des Zürcher Knabenchors und sangen, allerdings nicht zur gleichen Zeit, einen der Drei Knaben in Mozarts «Zauberflöte» am Zürcher Opernhaus, in dessen Opernstudio Bernard aktuell Mitglied ist. Jordan könnte aber auch als Musikdirektor der...
Man wird nicht lange suchen müssen, um das Stück der Stunde zu entdecken. Wie kein zweites Musiktheater handelt Richard Wagners «Parsifal» vom Leiden und von der Hoffnung auf Erlösung, unabhängig von der Frage, wer in diesem Bühnenweihfestspiel eigentlich an wem oder was leidet und wer wie erlöst werden kann. Die Wunde, die der Speer schlug (und die nur der Speer...
