Ein Gastmahl in Zeiten der Pest
«Wozu darüber reden? Jeder weiß doch Bescheid. Alle wissen, dass es absurd ist», sagt der Schauspieler Philipp Avdeev, auf die Zurückhaltung angesprochen, die sich die Mitarbeiter des Moskauer Gogol-Zentrums auferlegt haben, wenn es um das Prozessverfahren geht, das ihren Künstlerischen Leiter seit August 2017 mit Hausarrest sanktioniert. Und er fährt fort: «Als Buddhist bewahrt Kirill Serebrennikov größte Gelassenheit. Wir nehmen uns an ihm ein Beispiel. Das Wichtigste ist, unsere Theaterarbeit fortzusetzen – angstfrei und entspannt.
»
Wie konnte «das Gogol» die vergangenen anderthalb Jahre überleben, in denen es mit seinem Leiter und Chefregisseur nur über den Anwalt kommunizieren durfte? Was hat es den Beteiligten ermöglicht, nicht nur den Spielbetrieb fortzuführen, sondern auch erfolgreich Neuproduktionen zu stemmen? An erster Stelle sicher der von Serebrennikov vorgelebte Geist der Freiheit und Selbstverantwortlichkeit. Ein Künstler, der die Fähigkeit besitzt, Mitarbeitern Vertrauen zu schenken und Verantwortung zu übertragen. Avdeevs Ensemblekollege Aleksandr Gorchilin erinnert sich: «Im Studium hat Kirill uns gesagt: ‹Ich möchte nicht, dass ihr Schauspieler werdet, ich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Sergio Morabito
Die Rolle, in der er 1952 in Bayreuth debütierte, ist winzig. Hermann Ortel fällt kaum auf, wenn sich Wagners Nürnberger Meistersinger zur «Zunftberatung» treffen. Für den damals gerade 26-jährigen Sänger indes hatten die ersten Worte des Seifensieders besondere Bedeutung: «Immer am Ort.» Theo Adam war ein weltläufiger Lokalpatriot, der seiner Geburts- und...
Das Breitwandspektakel, das Herbert von Karajan 1966 als Regisseur und Dirigent in Salzburgs Großem Festspielhaus unter dem Titel «Carmen» präsentierte, wurde von der Kritik überwiegend negativ aufgenommen. Und das betraf nicht nur die szenische Seite. Der Vorwurf: Karajan habe Bizets opéra-comique zu einer Grand opéra aufgeblasen. Die Verfilmung dieser...
Hans Gál (1890-1987) gehört zu den vielen, von den Nazis vertriebenen Künstlern, denen es nicht gelang, nach 1945 wieder im Musikbetrieb Fuß zu fassen. Der stilkonservative Spätromantiker, der wie Walter Braunfels und Erich Wolfgang Korngold an der erweiterten Tonalität festhielt, entsprach nicht mehr den Erwartungen der Zeit. Inzwischen liegt ein Großteil seines...
