Löcher der Stille
Christoph Marthaler kehrt zurück an die Bühne, deren Bau er einst der Stadt Zürich abtrotzte, bevor sie ihn als Intendanten verjagte. Nun ist er also wieder da, im Schiffbau des Schauspielhauses. Mit einem neuen Stück: «44 Harmonies from Apartment House 1776». Aber von Vertrauen in Harmonie ist nicht viel zu spüren an diesem Abend. Und wenn, dann liegt sie in der Stille.
Marthalers Kreation trägt den Titel einer Komposition, die John Cage 1976 anlässlich der Zweihundertjahrfeiern zur amerikanischen Unabhängigkeit schrieb.
Cage hatte dafür 44 Gesangshymnen von Komponisten gesammelt, die 1776 nicht älter als 20 Jahre waren, sie eng zusammengefügt, aber alle funktionstragenden Töne getilgt. Keine Kadenz ist vollständig; wo die Harmonie zur Ruhe kommen sollte, klafft ein Loch. Diese Löcher der Stille sind das Wesentliche. Und sie vor allem dürften Marthalers Interesse geweckt haben - auch er ist ja ein Virtuose der Pausen. Hinzu kommt, dass die verbliebenen Töne ihre Verankerung verlieren, alles gerät in eine unfassliche Schwebe. Noch feiner als in der für Gesangsstimmen konzipierten Originalfassung hört man das in den verschiedenen Instrumentalbearbeitungen, etwa in der für ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Egbert Tholl
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