Ein Coup
Die Frage nach seinem Namen muss man sich nicht verkneifen. Mazeppa, der Held dieser Oper, hat Lohengrin etwas voraus. In der Frage der Herkunft allerdings geben beide ihrer Umwelt Rätsel auf. Hier der Ritter, dort der Judas, diese beiden trennen Welten – auch wenn es im einen wie im anderen Opernfall eine Frau gibt, die zum geheimnisumwölkten Mann hält. Die dunkle Variante also der Wagner-Saga? Nicht nur Tschaikowsky fühlte sich inspiriert von Alexander Puschkins Poem «Poltawa».
Sein Dreistünder «Mazeppa», in jüngerer Zeit wieder verstärkt auf den Spielplänen, verdrängte die gleichnamige Oper von Clémence de Grandval – und damit auch die Komponistin selbst.
Clémence de Grandval (1828–1907) war als Tonschöpferin geachtet, verehrt, ihre Werke wurden viel gespielt, sie zählte zur Haute volée der französischen Musikszene. Eine Ausnahmeerscheinung. Die Eltern – der Vater hochrangiger Militär, die Mutter Schriftstellerin – förderten die Begabung ihrer Tochter. Klavierstunden im Hause Chopin, Kompositionsstudium bei Friedrich von Flotow, später Unterricht durch Camille Saint-Saëns, dazu die Heirat mit einem vermögenden Blaublütigen: Im Doppelsinn fürstliche Voraussetzungen für eine ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Markus Thiel
An Selbstbewusstsein scheint es Barbara Strozzi, der wohl bedeutendsten Komponistin des italienischen Frühbarock, nicht gefehlt zu haben. Denn gleich ihr erstes, 1644 im Druck erschienenes Madrigalbuch eröffnet sie mit einem Sonett in der Hoffnung, «vielleicht als neue Sappho begrüßt zu werden». Als «virtuosissima cantatrice» (so Nicolò Fontei schon 1635 in einer...
Leise rieselt der Schwan. Natürlich nicht der ganze, das wäre doch ein bisschen zu viel des Gefieders. Um das mit satten Klängen und bass erstaunten Ausrufen beschworene «Wunder» in ein triftiges Bild zu fassen, genügen einzelne Federn des sagenumwobenen Tiers, die nun von der Decke des Festspielhauses in Baden-Baden sanft in den Saal hinabschweben, derweil der...
Ist es eine bittere Ironie der Geschichte, dass Puccinis qualvolles Ende im Grunde ein veristischer Opernstoff ist, ganz ähnlich wie der Komponist ihn mehrfach während seines Lebens einfühlsam, immer aber auch mit der Lust des Voyeurs für die Bühne vertont hatte? Die Torturen der Kehlkopf-Operationen, die Gewissheit der Brüsseler Ärzte zunächst, ihn geheilt zu...
