Ein Coup
Die Frage nach seinem Namen muss man sich nicht verkneifen. Mazeppa, der Held dieser Oper, hat Lohengrin etwas voraus. In der Frage der Herkunft allerdings geben beide ihrer Umwelt Rätsel auf. Hier der Ritter, dort der Judas, diese beiden trennen Welten – auch wenn es im einen wie im anderen Opernfall eine Frau gibt, die zum geheimnisumwölkten Mann hält. Die dunkle Variante also der Wagner-Saga? Nicht nur Tschaikowsky fühlte sich inspiriert von Alexander Puschkins Poem «Poltawa».
Sein Dreistünder «Mazeppa», in jüngerer Zeit wieder verstärkt auf den Spielplänen, verdrängte die gleichnamige Oper von Clémence de Grandval – und damit auch die Komponistin selbst.
Clémence de Grandval (1828–1907) war als Tonschöpferin geachtet, verehrt, ihre Werke wurden viel gespielt, sie zählte zur Haute volée der französischen Musikszene. Eine Ausnahmeerscheinung. Die Eltern – der Vater hochrangiger Militär, die Mutter Schriftstellerin – förderten die Begabung ihrer Tochter. Klavierstunden im Hause Chopin, Kompositionsstudium bei Friedrich von Flotow, später Unterricht durch Camille Saint-Saëns, dazu die Heirat mit einem vermögenden Blaublütigen: Im Doppelsinn fürstliche Voraussetzungen für eine ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Markus Thiel
Die Botschaft ist eindeutig: «Beautiful, beautiful, beautiful!», singen sechs elegant gekleidete Herren mit Fliege und Hosenträger. Wie die Geier umkreisen sie eine Frau, die an einem grell beleuchteten Schminktisch sitzt und weint. Ihr ikonisches Konterfei? Die platinblonde, in voluminösen Wellen gestylte Bobfrisur und ein knallroter Kussmund lassen keine Zweifel...
Die Insel war eines ihrer Lieblingsspiele. Alles was man sich nur wünschen und vorstellen konnte, gab es auf ihrer Insel. Manchmal glaubte Philip fast, daß sie wirklich existierte; dort war er der König und Ellen die Königin, und kein anderer durfte sie betreten – sie gehörte ihnen allein.» («Die verzauberte Stadt», Edith Nesbit 1858–1924)
Kinder denken oft in...
Ganz schnell kann das gehen mit diesem Begriff. Anständig bis hochachtbar gesungen, ein Sopran, ein Tenor – ecco: Das nächste «Traumpaar» ist geboren. So gerade in den Augen und Ohren mancher nach der «Rigoletto»-Premiere an der Bayerischen Staatsoper. Dabei haben die beiden wenig miteinander gemeinsam (was ja wieder stückimmanent wäre). Sie: mit anfangs...
