Ein Coup
Die Frage nach seinem Namen muss man sich nicht verkneifen. Mazeppa, der Held dieser Oper, hat Lohengrin etwas voraus. In der Frage der Herkunft allerdings geben beide ihrer Umwelt Rätsel auf. Hier der Ritter, dort der Judas, diese beiden trennen Welten – auch wenn es im einen wie im anderen Opernfall eine Frau gibt, die zum geheimnisumwölkten Mann hält. Die dunkle Variante also der Wagner-Saga? Nicht nur Tschaikowsky fühlte sich inspiriert von Alexander Puschkins Poem «Poltawa».
Sein Dreistünder «Mazeppa», in jüngerer Zeit wieder verstärkt auf den Spielplänen, verdrängte die gleichnamige Oper von Clémence de Grandval – und damit auch die Komponistin selbst.
Clémence de Grandval (1828–1907) war als Tonschöpferin geachtet, verehrt, ihre Werke wurden viel gespielt, sie zählte zur Haute volée der französischen Musikszene. Eine Ausnahmeerscheinung. Die Eltern – der Vater hochrangiger Militär, die Mutter Schriftstellerin – förderten die Begabung ihrer Tochter. Klavierstunden im Hause Chopin, Kompositionsstudium bei Friedrich von Flotow, später Unterricht durch Camille Saint-Saëns, dazu die Heirat mit einem vermögenden Blaublütigen: Im Doppelsinn fürstliche Voraussetzungen für eine ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Markus Thiel
Irgendwo im Weltall, sagen wir, abends um halb acht. Ein Raumschiff trudelt durch die leere Weite (oder weite Leere?), und das Einzige, was die Insassen zu beglücken vermag, ist Musik. Musik von Mozart. Sie ist es, die Trost spendet, die dem Vakuum des Universums und der Seelen noch jene «Fülle» verleiht, von der Charles Taylor in seinem Opus magnum «Ein säkulares...
Wenn Regisseure ihre eigenen Inszenierungen erläutern, erfährt man zwar, was sie sich bei der Arbeit gedacht haben; allzu oft zeigt sich aber, dass sie die Gedanken nicht in Bilder übersetzen können. Es bleibt bei der abstrakten Deklaration. Kommt sängerisches oder schauspielerisches Unvermögen hinzu, ist die Katastrophe fast komplett. Fast. Repertoirestücke sind...
Ganz schnell kann das gehen mit diesem Begriff. Anständig bis hochachtbar gesungen, ein Sopran, ein Tenor – ecco: Das nächste «Traumpaar» ist geboren. So gerade in den Augen und Ohren mancher nach der «Rigoletto»-Premiere an der Bayerischen Staatsoper. Dabei haben die beiden wenig miteinander gemeinsam (was ja wieder stückimmanent wäre). Sie: mit anfangs...
