Das Leben ist eine Party
Ganz schnell kann das gehen mit diesem Begriff. Anständig bis hochachtbar gesungen, ein Sopran, ein Tenor – ecco: Das nächste «Traumpaar» ist geboren. So gerade in den Augen und Ohren mancher nach der «Rigoletto»-Premiere an der Bayerischen Staatsoper. Dabei haben die beiden wenig miteinander gemeinsam (was ja wieder stückimmanent wäre). Sie: mit anfangs flackernder, später immer konzentrierterer Stimmgebung, eine Lyrische mit dramatischem Potenzial, Seelentöne ohne Süßlichkeit – Serena Sáenz räumt als Gilda groß ab.
Er: mit hellem, eher eng geführtem Tenor, ein Klang-Laserstrahl, der mit der Zeit unter immer mehr Mühen produziert wird. Bekhzod Davronov bietet als Herzog das perfekte Type-Casting, ein Farben- und Nuancenkünstler ist er weniger.
Der Dritte im Bunde macht mit wuchtiger singdarstellerischer Präsenz das wett, was die Regie ihm verweigert. Kurz nach Probenbeginn stieß Ariunbaatar Ganbaatar zum Team, Igor Golovatenko hatte die Titelpartie «aus persönlichen Gründen» zurückgegeben. Ganbaatar, gebürtiger Mongole, führt einen reichen, rauchigen Bariton ins Verdi-Feld, dem das entscheidende Gran Erz fürs druckfreie Auftrumpfen fehlt. Dennoch ein Trio der Oberklasse, das sich ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Markus Thiel
Der Etat gäbe es her. Kelch, Speer, etwas rote Farbe für die Wunde, all das könnte sich das Landestheater Niederbayern schon leisten – auch wenn man naturgemäß klamm ist. Allein: Nichts davon ist zu sehen in diesem «Parsifal». Als Amfortas am Altar steht und das verdeckende Tuch wegzieht, ist da: nichts. So entzückt die Ritter auch die Leerstelle betrachten und ihr...
Otello ist eine gebrochene Person. Sein Auftrittsruf «Esultate!», obwohl von George Oniani mit metallischer Härte und Kraft herausgeschleudert, hat nichts Triumphales, allein schon wegen des szenischen Arrangements in der Bonner Neuproduktion von Leo Muscato: Das Volk blickt nach vorn, er kommt von hinten. Bemitleidenswert ist er in der Liebesnacht mit Desdemona....
Der Ritter rast nicht, er schwelgt. In höchsten Tönen und mit tiefster Empfindung besingt Ruggero die Liebe zu seiner Auserwählten, der gleichermaßen aparten wie blaublütigen Bradamante, und um seine werbende Huldigung zu zementieren, hat er sich für sein Solo «Sol per te, mio dolce amore» noch eine transzendierende Traversflöte hinzu erbeten. Zarte Arabesken in...
