Ein begnadeter Erzähler
Unsere Wege haben sich leider viel zu spät gekreuzt. Ich war immer voller Bewunderung für seine Arbeit, und auch er fragte mich bei dem ersten Zusammentreffen, warum es so lange gedauert habe. Das war 2016 in München, bei den Proben zu Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» an der Bayerischen Staatsoper. Da sprang eine spontane Sympathie über, die vielleicht auch aus dem Bewusstsein der gleichen Wurzeln rührte. Wir waren zwar sehr verschiedene Generationen, aber beide im gleichen politischen System der DDR erzogen und groß geworden.
Sofort zeigten sich da seine ja längst legendären Eigenschaften: Harry war zunächst einmal unglaublich gut organisiert, jede Probe perfekt vorbereitet. Alles war genauestens recherchiert und festgelegt, bis in die letzte Einzelheit. Heute wird diese Arbeit von Dramaturgen erledigt, wenn überhaupt. Für Harry kam das nicht infrage. Er war viel zu fleißig und zu klug, um diese grundlegenden Recherchen anderen zu überlassen. Doch bei aller Detailversessenheit blieb er aufgeschlossen und offen für seine Darsteller. Die Basis war seine unglaubliche Musikalität. Alles, wirklich jedes noch so winzige Element seiner Inszenierungen, entstand aus der Musik ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Abschied, Seite 34
von Anja Kampe
Mit den Clowns kommen die Keulen, drei an der Zahl. Fliegen in die Lüfte, stürzen hinab, springen aber wie von Geisterhand gehoben sogleich wieder in die Luft, unzählige Male, wie ein Perpetuum mobile, das sich dem wiegenden 6/8-Takt der Barcarolle anschmiegt, die so butterweich und süßlich kaum je zuvor durch den Graben gondelte, zwischen h-Moll und D-Dur hin und...
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