Wider die Macht des Schicksals
Strukturelle Improvisation – diese Formel trifft ziemlich genau, was Christian Jost anstrebt, wenn er neue Musik erfindet. Vor 15 Jahren brachte die Rheinoper in Düsseldorf sein erstes abendfüllendes Musiktheater heraus: «Vipern», eine griffig konstruierte Kriminalgeschichte aus dem elisabethanischen England. Seither sind sieben weitere Arbeiten für die Bühne dazugekommen. Schon damals fiel Josts Vorliebe für Jazz-Idiome auf, eine Leidenschaft, die er u. a.
in dem musikalischen Sketch «Death Knocks» nach Woody Allen (2001), im Trompetenkonzert «Pietà – In memoriam Chet Baker» (2004) und dem im Juni 2019 mit Michael Wollny und Mitgliedern der Berliner Philharmoniker uraufgeführten Konzertstück «Nocturnal City» ostentativ thematisiert. Wie im Jazz soll alles sich organisch aus Keimzellen entwickeln, prozesshaft, offen, auf zugänglichen Wegen. Harmonie, Konsonanz, Melos, Groove sind für Jost keine Tabus, aber auch keine Bollwerke gegen atonale, geräuschhafte Elemente, die in seinen Partituren durchaus ihren Platz finden.
Nach dem Krebstod seiner Frau, der Sängerin Stella Doufexis, habe er sich Ende 2015 für fast dreieinhalb Jahre in seine Berliner Wohnung zurückgezogen, erzählt ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Albrcht Thiemann
JUBILARE
Helga Thiede studierte Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin, wo die Sopranistin als Mitglied des Studios der Staatsoper Unter den Linden debütierte. 1967 wurde sie ans Mecklenburgische Staatstheater Schwerin engagiert, wechselte anschließend ans Landestheater Dessau und 1984 an die Dresdner Semperoper, der sie bis zur...
Ich sind viele. Eine Binse eigentlich. Kein Mensch lässt sich auf den Einen, die Eine, das Eine verrechnen. Das Selbst ist ein fluides Kompositum, labile Schnittmenge verschiedener Einflüsse und Prägungen: Genetik und Gesellschaft, Biologie und Kultur, Gegenwart und Geschichte fließen da, oft unentwirrbar, als formierende Faktoren zusammen. Doch nicht selten...
Die Lösung scheint so naheliegend wie einleuchtend: «Was ist, wenn wir einfach den Zahn wieder in das Loch stecken?» Bis dahin hätte alles nur ein Slapstick-Scherz sein können: Ein kleiner Chinese, von Zahnschmerzen heimgesucht, erhält Hilfe von seinen Küchenkollegen im Asia-Restaurant «Der goldene Drache», die dem Geplagten in gutgemeinter Absicht Linderung...
