Ein Backstein von Fakten
Die mechanische Reproduktion auf Tonträgern kann als das wichtigste Ereignis in der Musikgeschichte seit der Erfindung der Notenschrift gelten – neben den Werken selbst ist nun auch deren Wiedergabe Gegenstand der Forschung. Die deutschsprachige Musikwissenschaft hat sich dieser Tatsache lange verschlossen. Jetzt stellt sich das von Heinz von Loesch, Rebecca Wolf und Thomas Ertelt seit 2019 herausgegebene Handbuch «Geschichte der musikalischen Interpretation im 19. und 20. Jahrhundert» dieser Aufgabe.
Die ersten drei Bände widmen sich in enzyklopädischen Artikeln der Ästhetik, den Institutionen, Medien, Aspekten und Parametern der Aufführungspraxis. Im abschließenden vierten Band wird nun erstmals der Versuch unternommen, die Geschichte der Interpretation einzelner Stücke oder Werkgruppen in ihrer Ganzheit im historischen Ablauf darzustellen, gegliedert in Zeiträumen von jeweils zwei bis drei Jahrzehnten, in die die Künstler nach ihrem Geburtsjahr eingeordnet werden – ein Backstein von Buch, das sich nicht flott herunterlesen lässt, sondern in der Fülle seiner Darstellung studiert sein will.
Ausgangspunkt ist die Geburt des bürgerlichen Subjekts und der Kunstautonomie im ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Magazin, Seite 89
von Uwe Schweikert
Es sind glockenhelle, luzide Töne, die Jana Baumeister bei ihrem Rollendebüt als Mélisande in den Bühnenhimmel schickt, mit lyrischer Leuchtkraft und makellos reinem Timbre. Doch bei aller Transparenz – ins Seeleninnerste der Figur lässt dieser irisierend schöne Gesang ganz bewusst nicht blicken. Was Mélisande denkt und fühlt, bleibt im Dunkeln, wie ein gut...
Krise in Hollywood! Skydance frisst Paramount, Netflix frisst Warner Brothers Discovery. Anders als in der Gegenwart belebt in der mehr als 90 Jahre alten Operette die Konkurrenz das Geschäft, anstatt es zu zermalmen. Marylou Mackintosh, der Erbin eines untergehenden Filmimperiums, droht die Heirat mit dem Erben der Konkurrenzfirma. Ein neuer Sensationserfolg soll...
Die Stücke könnten unterschiedlicher nicht sein. Für «Francesca da Rimini», 1906 am Bolschoi uraufgeführt, schrieb Rachmaninow eine düstere, spätromantische Musik. Puccini hingegen fasste seinen 1918 an der Met uraufgeführten «Gianni Schicchi» in einen quirligen, lebendigen Deklamationsstil mit einigen lyrischen Elementen. Die stilistische Distanz ist so groß wie...
