Ein Backstein von Fakten
Die mechanische Reproduktion auf Tonträgern kann als das wichtigste Ereignis in der Musikgeschichte seit der Erfindung der Notenschrift gelten – neben den Werken selbst ist nun auch deren Wiedergabe Gegenstand der Forschung. Die deutschsprachige Musikwissenschaft hat sich dieser Tatsache lange verschlossen. Jetzt stellt sich das von Heinz von Loesch, Rebecca Wolf und Thomas Ertelt seit 2019 herausgegebene Handbuch «Geschichte der musikalischen Interpretation im 19. und 20. Jahrhundert» dieser Aufgabe.
Die ersten drei Bände widmen sich in enzyklopädischen Artikeln der Ästhetik, den Institutionen, Medien, Aspekten und Parametern der Aufführungspraxis. Im abschließenden vierten Band wird nun erstmals der Versuch unternommen, die Geschichte der Interpretation einzelner Stücke oder Werkgruppen in ihrer Ganzheit im historischen Ablauf darzustellen, gegliedert in Zeiträumen von jeweils zwei bis drei Jahrzehnten, in die die Künstler nach ihrem Geburtsjahr eingeordnet werden – ein Backstein von Buch, das sich nicht flott herunterlesen lässt, sondern in der Fülle seiner Darstellung studiert sein will.
Ausgangspunkt ist die Geburt des bürgerlichen Subjekts und der Kunstautonomie im ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Magazin, Seite 89
von Uwe Schweikert
Oscar Bie sah in der Oper das «unmögliche Kunstwerk», Alexander Kluge das «Kraftwerk der Gefühle». Für Reinhard Strohm dagegen ist Mobilität und Bewegung das Wesen der Oper – in der mäandernden Entwicklung der Gattung, in der Wanderung ihrer Sujets und Formen, nicht zuletzt in der Internationalisierung ihrer Produktion wie in den Lebenswegen ihrer Darsteller. Dabei...
Manche Schocks, das weiß schon der Volksmund, können auch heilsam sein. Für den Grünschnabel, der da im Sommer 1962 zu den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik gereist war, um zeitgenössische ästhetische Strömungen zu studieren, zählte die Begegnung mit Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Bruno Maderna ganz gewiss in diese Kategorie: Was ihm bei seiner...
Kurz nach der Premiere wurde sein Vertrag bis 2031 verlängert. Salzburg braucht Rolando Villazón wie die Mozartkugel – finden jedenfalls die Verantwortlichen in der Stiftung Mozarteum. Seit 2021 ist der Tenor Künstlerischer Leiter der Institution und schon seit 2019 Chef der Mozartwoche. Das Publikum liegt Villazón zu Füßen, der auf seine Weise durch die Termine an...
