Fahr zur Hölle, Lüstling!

Mozarts «Don Giovanni» ist einfach unverwüstlich, das zeigen auf unterschiedliche Art und Weise interessante Lesarten des Stoffs in Rostock und Chemnitz

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Wo es um Verführung geht, um sinnlich-erotisches Begehren, also um die mannigfaltigen Formen von Lust und Sexualität, war die Philosophie nie weit. Schon Platon warnte höchst eindrücklich davor, sich dem ungezügelten Verlangen hinzugeben, er plädierte für einen vernunftgesteuerten, empathischen Liebesbegriff. Auch in der Folge versuchten die Interpreten dieser Welt, dem Phänomen auf die Spur zu kommen.

Während aber die deutsche idealistische Philosophie sich mehr für Aufklärung, das Verhältnis von Natur und Mensch, von Geist und Materie sowie die Stellung des Individuums zur (und in der) Welt interessierte, waren es seit dem 19. Jahrhundert vor allem ihre französischen Kollegen, die sich des Themas beherzt annahmen. Ihr Denken kreiste fast obsessiv um die Frage, worin die (Subjekt-Objekt-)Faszination von Verführung bestand, woher sie rührte und in welche ontologischen Abgründe sie im schlimmsten Fall zu führen vermochte. Von Sartre bis Deleuze, von Derrida bis Lacan, von Foucault bis Bataille, sie alle zeigten sich in dieser oder jener Weise affiziert. Der geschulte Soziologe und Medientheoretiker Jean Baudrillard schrieb sogar gleich ein ganzes Buch darüber («De la séduction»), ...

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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten

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