Fahr zur Hölle, Lüstling!
Wo es um Verführung geht, um sinnlich-erotisches Begehren, also um die mannigfaltigen Formen von Lust und Sexualität, war die Philosophie nie weit. Schon Platon warnte höchst eindrücklich davor, sich dem ungezügelten Verlangen hinzugeben, er plädierte für einen vernunftgesteuerten, empathischen Liebesbegriff. Auch in der Folge versuchten die Interpreten dieser Welt, dem Phänomen auf die Spur zu kommen.
Während aber die deutsche idealistische Philosophie sich mehr für Aufklärung, das Verhältnis von Natur und Mensch, von Geist und Materie sowie die Stellung des Individuums zur (und in der) Welt interessierte, waren es seit dem 19. Jahrhundert vor allem ihre französischen Kollegen, die sich des Themas beherzt annahmen. Ihr Denken kreiste fast obsessiv um die Frage, worin die (Subjekt-Objekt-)Faszination von Verführung bestand, woher sie rührte und in welche ontologischen Abgründe sie im schlimmsten Fall zu führen vermochte. Von Sartre bis Deleuze, von Derrida bis Lacan, von Foucault bis Bataille, sie alle zeigten sich in dieser oder jener Weise affiziert. Der geschulte Soziologe und Medientheoretiker Jean Baudrillard schrieb sogar gleich ein ganzes Buch darüber («De la séduction»), ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten
Sklaverei scheint in «aufgeklärten» Gesellschaften überwunden. Doch ist sie näher, als wir meinen – nicht nur angesichts des Terrors eines «Islamischen Staates» oder in libyschen Flüchtlingslagern. Auch zu Rossinis Zeiten war sie näher, als es Italienerinnen und Italienern lieb sein konnte. Noch bis 1830 kaperten Piraten vor allem aus dem heutigen Algerien Schiffe...
Die mechanische Reproduktion auf Tonträgern kann als das wichtigste Ereignis in der Musikgeschichte seit der Erfindung der Notenschrift gelten – neben den Werken selbst ist nun auch deren Wiedergabe Gegenstand der Forschung. Die deutschsprachige Musikwissenschaft hat sich dieser Tatsache lange verschlossen. Jetzt stellt sich das von Heinz von Loesch, Rebecca Wolf...
Die neue Inszenierung von «I puritani» an der Met ruft äußerst gemischte Gefühle hervor: Bewunderung für eine herausragende musikalische Darbietung, aber großes Staunen angesichts einer überladenen, aussagearmen Regie. Marco Armiliato dirigiert mit hoher stilistischer Kompetenz und mit Respekt vor den individuellen Fähigkeiten der exzellenten Sänger; er kann sich...
