Fahr zur Hölle, Lüstling!

Mozarts «Don Giovanni» ist einfach unverwüstlich, das zeigen auf unterschiedliche Art und Weise interessante Lesarten des Stoffs in Rostock und Chemnitz

Opernwelt - Logo

Wo es um Verführung geht, um sinnlich-erotisches Begehren, also um die mannigfaltigen Formen von Lust und Sexualität, war die Philosophie nie weit. Schon Platon warnte höchst eindrücklich davor, sich dem ungezügelten Verlangen hinzugeben, er plädierte für einen vernunftgesteuerten, empathischen Liebesbegriff. Auch in der Folge versuchten die Interpreten dieser Welt, dem Phänomen auf die Spur zu kommen.

Während aber die deutsche idealistische Philosophie sich mehr für Aufklärung, das Verhältnis von Natur und Mensch, von Geist und Materie sowie die Stellung des Individuums zur (und in der) Welt interessierte, waren es seit dem 19. Jahrhundert vor allem ihre französischen Kollegen, die sich des Themas beherzt annahmen. Ihr Denken kreiste fast obsessiv um die Frage, worin die (Subjekt-Objekt-)Faszination von Verführung bestand, woher sie rührte und in welche ontologischen Abgründe sie im schlimmsten Fall zu führen vermochte. Von Sartre bis Deleuze, von Derrida bis Lacan, von Foucault bis Bataille, sie alle zeigten sich in dieser oder jener Weise affiziert. Der geschulte Soziologe und Medientheoretiker Jean Baudrillard schrieb sogar gleich ein ganzes Buch darüber («De la séduction»), ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Personalien und Meldungen 3/26

JUBILARE
Am 26. März feiert Erich Urbanner seinen 90. Geburtstag. Der in Innsbruck geborene Komponist erhielt seinen ersten Musik -unterricht bei seinem Vater, der Schullehrer, Organist und Leiter eines Kirchenchores war. Von 1955 bis 1961 studierte Urbanner in Wien Komposition, Klavier und Dirigieren bei Hans Swarowsky. Bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue...

Göttliche Komödie

Die Stücke könnten unterschiedlicher nicht sein. Für «Francesca da Rimini», 1906 am Bolschoi uraufgeführt, schrieb Rachmaninow eine düstere, spätromantische Musik. Puccini hingegen fasste seinen 1918 an der Met uraufgeführten «Gianni Schicchi» in einen quirligen, lebendigen Deklamationsstil mit einigen lyrischen Elementen. Die stilistische Distanz ist so groß wie...

Der Tod und das Mädchen

Eine Frau blickt zurück. Auf ihr Leben, auf Menschen, die ihr im Verlauf dieses Leben begegnet sind (und von denen sie schon einige verloren hat), auf das, was und wie es war, und ebenso auf das, was mit einiger Sicherheit nicht mehr sein und nie mehr werden wird. Viel Zeit bleibt ihr nicht für diese Rückschau. Die Frau ist krank, sterbenskrank. Und eigentlich...