Fahr zur Hölle, Lüstling!
Wo es um Verführung geht, um sinnlich-erotisches Begehren, also um die mannigfaltigen Formen von Lust und Sexualität, war die Philosophie nie weit. Schon Platon warnte höchst eindrücklich davor, sich dem ungezügelten Verlangen hinzugeben, er plädierte für einen vernunftgesteuerten, empathischen Liebesbegriff. Auch in der Folge versuchten die Interpreten dieser Welt, dem Phänomen auf die Spur zu kommen.
Während aber die deutsche idealistische Philosophie sich mehr für Aufklärung, das Verhältnis von Natur und Mensch, von Geist und Materie sowie die Stellung des Individuums zur (und in der) Welt interessierte, waren es seit dem 19. Jahrhundert vor allem ihre französischen Kollegen, die sich des Themas beherzt annahmen. Ihr Denken kreiste fast obsessiv um die Frage, worin die (Subjekt-Objekt-)Faszination von Verführung bestand, woher sie rührte und in welche ontologischen Abgründe sie im schlimmsten Fall zu führen vermochte. Von Sartre bis Deleuze, von Derrida bis Lacan, von Foucault bis Bataille, sie alle zeigten sich in dieser oder jener Weise affiziert. Der geschulte Soziologe und Medientheoretiker Jean Baudrillard schrieb sogar gleich ein ganzes Buch darüber («De la séduction»), ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten
Die Klangwelt des hohen Nordens war immer schon etwas anders verfasst, man könnte sagen: naturhafter, ursprüng -licher. Und nur wer einmal ein, zwei Wochen in diesen arktischen Gefilden verbracht hat, wird verstehen, dass auch die zeitgenössische Musik genuin anderen Gesetzen folgt als die mitteleuropäische. Tonalität ist weder in Finnland und Schweden, noch in...
Auf der Bühne herrscht Eiszeit. Schneebedeckte Hügel, soweit das Auge reicht. Eine frostige, lebensfeindliche Landschaft. Blumen gedeihen hier nur im gläsernen Gewächshaus. Als würde man durch ein Fenster ins Unend -liche blicken zeigen Videoprojektionen bedrohliche Wolkenaufwallungen. Regisseur Maxim Didenko und sein Team versetzen Rimski-Korsakows selten...
Wanderer, kommst du im Winter nach Oulu, vergiss die Wollwäsche nicht! Es ist eisig in diesen arktisch-arkadischen Gefilden, auch wenn der Wettergott Mitte Januar ein plötzliches Einsehen hat. Noch eine Woche zuvor lagen die Temperaturen bei minus 30 Grad. Nun aber sind es lediglich wenige Grade unter Null, damit lässt sich umgehen, zumal wenn man sich für einen...
