Ein Avantgardist ist er nicht
Der Satz hat Format und einige dialektische Würze. «The past is never dead. It’s not even past». So steht es in William Faulkners 1951 erschienenem Roman «Requiem for a Nun». Auch Detlev Glanert und der Librettist Reinhard Palm stellen diese philosophisch klugen Worte in deutscher Übersetzung («das Vergangene ist niemals tot, es ist nicht einmal vergangen») dem Textbuch von Glanerts Oper «Solaris» (auf Stanislav Lem) voran.
Wenn nun Rainer Nonnenmann die Sentenz als Motto für seinen Einführungs-Essay über den 1960 geborenen Komponisten nutzt, ergibt das tieferen Sinn, beschreibt es doch in kristallisierter Form, welchem ästhetischweltanschaulichen Ideal dieser Komponist, getrieben von einer «absolut altmodischen Liebe zum Theater», zeitlebens gefolgt ist: Glanert sieht sich nicht als Revolutionär in einer zusehends zersplitterten (Klang-)Welt, sein Bestreben geht dahin, Gattungstraditionen vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert aufzugreifen und sie in moderater Manier weiterzuführen.
Die «Musik-Konzepte» würdigen den Henze-Schüler (der zuvor bei Diether de la Motte, Günter Friedrichs und Frank Michael Beyer das nötige handwerkliche Rüstzeug erwarb) nun mit einem Band, in dem sich ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Medien, Seite 36
von Jürgen Otten
Drei Tage Dienstreise auf Staatsopernkosten nach Italien. Ortstermin in einem Florentiner Laden: weiße Seide mit darauf applizierten Rosen und eingewebten Goldfäden. Was das kostet? 2200 Mark, so erinnert sich Ausstattungslegende Jürgen Rose gern. Er durfte einkaufen gehen, damals, für seinen legendären Münchner «Rosenkavalier». Vorbei die Zeiten? Mitnichten....
Ein angenommenes Vergessen der Geschichte, so beschreibt es der Philosoph und Hermeneutiker Hans-Georg Gadamer, sei nicht ein Fehler des individuellen oder kollektiven Gedächtnisses, sondern gehöre vielmehr unmittelbar zum Prozess unseres Verstehens dazu. Erst das Spannungsfeld zwischen Vergessen und Erinnern ermögliche es uns, das eigene Denken in ein Verhältnis...
Eine Oper, die vom ersten bis zum letzten Takt in einer Küche spielt: Allein das hat schon Seltenheitswert. In ihrer Inszenierung von Mieczysław Weinbergs «Wir gratulieren!», die am Pfalztheater Kaiserlautern herauskam (in einer Kammerfassung von Henry Koch), lässt die Regisseurin Astrid Vosberg das Publikum direkt in die Töpfe schauen. Der schachbrettartige...
