Im Spiegelkabinett
Dortmunds Oper ist in der Mitte der Stadt angekommen. Dass es seinem Intendanten Heribert Germeshausen gelungen ist, auch überregionale Aufmerksamkeit zu mobilisieren, zeigt sich bei der Saisoneröffnung mit der Premiere von Mozarts «Figaro»: Da spricht Ina Brandes, die Kultusministerin von Nordrhein-Westfalen ein Grußwort. Und Thomas Westphal, Oberbürgermeister der Stadt, schwärmt von der besten Auslastung des Opernhauses seit 25 Jahren.
Da weiß der SDP-Politiker noch nicht, dass er eine Woche später in der Stichwahl sein Amt im Herzen des einst roten Reviers einem CDU-Mann überlassen muss: Alexander Omar Kalouti, Pressechef des Theaters Dortmund. Kalouti war in dieser Funktion offenbar so überzeugend, dass die Politik aufmerksam wurde: 2020 fragte ihn der damalige OB-Kandidat der CDU, ob er seinen Wahlkampf unterstützen könne. Das alles spricht für Aufmerksamkeit und Wertschätzung des Hauses in Politik und Öffentlichkeit. Davon können viele andere Häuser nur träumen. Und erst recht von einem kulturaffinen OB.
Als sich der Vorhang hebt, blickt man in einen leeren Raum mit halbhohen Spiegelwänden. Über den Spiegeln finden sich Menschen in Rokoko-Kostümen und mit turmhohen ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Regine Müller
Dem Namen des heute vergessenen italienischen Barockkomponisten Geminiano Giacomelli ist der interessierte Hörer erstmals 2009 auf Cecilia Bartolis CD «Sacrificium» begegnet. Damals sang Bartoli die Arie des Epitide «Sposa, non mi conosci» aus Giacomellis «Merope» – Musik mit Suchtcharakter, die daran erinnert, dass aus derselben Oper auch die Arie «Quell’usignolo»...
Lange hatte Johann Strauß (Sohn) schon keinen großen Bühnenerfolg mehr zustande gebracht, da sollte ein großes Handlungsballett die Wende einleiten. Die sensationelle Ankündigung wurde 1898 mit der Ausschreibung eines Autorenwettbewerbs zum Libretto in der Zeitschrift «Die Waage» verbreitet. Ein Novum und ein echter Coup: Schließlich hatte sich der Komponist seit...
Ein angenommenes Vergessen der Geschichte, so beschreibt es der Philosoph und Hermeneutiker Hans-Georg Gadamer, sei nicht ein Fehler des individuellen oder kollektiven Gedächtnisses, sondern gehöre vielmehr unmittelbar zum Prozess unseres Verstehens dazu. Erst das Spannungsfeld zwischen Vergessen und Erinnern ermögliche es uns, das eigene Denken in ein Verhältnis...
