Musikalisch stark
Es ist ein Opernabend für Fortgeschrittene, den das Theater Bremen mit seiner neuen «Butterfly»-Produktion dem Publikum präsentiert. Denn man muss das Stück schon recht genau kennen, will man den Ideen der Regisseurin und ihrer Umsetzung folgen. Puccinis Oper sei, so erklärte es Ulrike Schwab in einem Vorab-Interview, «ein Stück über Frauen und nicht nur über eine Frau». Aus diesem Gedanken heraus sei ihr Konzept mit nicht nur einer Titelheldin, sondern gleich drei Cio-Cio Sans entstanden, die den ganzen Abend gleichzeitig auf der Bühne stehen.
Und so sieht man sich auf der von Rebekka Dornhege Reyes klug konzipierten Bühne mit drei Sängerinnen konfrontiert, die unabhängig voneinander in drei voneinander getrennten Räumen agieren und jeweils Teile der Partie übernehmen.
Das mag aus feministischer Sicht sinnvoll sein. Aus musikalischer ist es das nicht. Es entstehen Momentaufnahmen, die aber keine Entwicklung einer Person ergeben. Dazu sind die Stimmcharaktere der drei Rollenvertreterinnen zu unterschiedlich: Angela Jiyoung Shin verfügt als Cio-Cio San I über einen leichten Soubrettensopran, der manchmal Schwierigkeiten hat, über das Orchester hinwegzukommen; sie hat allerdings ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Gerhart Asche
Der Satz hat Format und einige dialektische Würze. «The past is never dead. It’s not even past». So steht es in William Faulkners 1951 erschienenem Roman «Requiem for a Nun». Auch Detlev Glanert und der Librettist Reinhard Palm stellen diese philosophisch klugen Worte in deutscher Übersetzung («das Vergangene ist niemals tot, es ist nicht einmal vergangen») dem...
Jahrzehntelang galt Johann Adolf Hasse als einer der wichtigsten Komponisten jenes Operntyps, den die Musikgeschichtsschreibung in der Rückschau summarisch Opera seria genannt hat. Hasse war zwar an den Dresdner Hof gebunden, besaß aber Freiheiten, die es ihm erlaubten, attraktive Kompositionsaufträge zahlreicher bedeutender Theater anzunehmen. Seine Opern waren...
Goethes begrenztes Musikverständnis zu bemängeln, gehörte lange Zeit zum guten Ton seiner Kritiker. Beethovens Fünfte war ihm zu titanisch, Schuberts «Erlkönig» fand er «detestabel», das Urteil über die «Huit scè-nes de Faust» von Berlioz überließ er Zelter, der darin nur «Husten, Schnauben, Krächzen und Ausspeien» hörte. Andererseits spielte Goethe passabel...
