Ein Achselzucken für den Tod
Am ersten Novembertag ist es bitter kalt in Kopenhagen. Ein Eisregen bläst schneidende Winterluft durch die Straßen, richtig hell wird es ohnehin nur noch für ein paar Stunden. Auf dem Rathausplatz schrauben Arbeiter die Bühne für die Verleihung der MTV-Awards am nächsten Abend zurecht. Schon jetzt ist die Stadt zum Bersten gefüllt mit blasshäutigen Teenagern, die aus dem ganzen Land angereist sind. Eigentlich hat sich in Dänemarks Hauptstadt seit den Tagen Carl Nielsens gar nicht so viel verändert.
Die jungen Dänen dürften vor hundert Jahren der Eröffnung der Karnevalssaison genauso sehnsüchtig entgegengefiebert haben wie ihre Urenkel jetzt dem Pop-Spektakel, und damals wie heute dürften bei diesen Festivitäten zahllose mehr oder weniger dauerhafte Zweierbeziehungen geknüpft worden sein. Womit man schon mitten drin ist in «Maskarade», Dänemarks im Ausland bis heute nicht so recht gewürdigter Nationaloper.
Vermutlich muss man tatsächlich diesen unendlich scheinenden skandinavischen Winter kennen, um zu verstehen, dass Nielsens Oper mehr ist als ein gemütliches, etwas angestaubtes Lustspiel über Liebschaften auf einem Kostümfest. Um zu spüren, dass es hier um Grundsätzlicheres ...
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