Ein Achselzucken für den Tod

Jörg Königsdorf über Nielsens «Maskarade» und Janáceks «Sache Makropulos» in Kopenhagen

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Am ersten Novembertag ist es bitter kalt in Kopenhagen. Ein Eisregen bläst schneidende Winterluft durch die Stra­ßen, richtig hell wird es ohnehin nur noch für ein paar Stunden. Auf dem Rathausplatz schrauben Arbeiter die Bühne für die Verleihung der MTV-Awards am nächs­ten Abend zurecht. Schon jetzt ist die Stadt zum Bersten gefüllt mit blasshäutigen Teenagern, die aus dem ganzen Land angereist sind. Eigentlich hat sich in Dänemarks Hauptstadt seit den Tagen Carl Nielsens gar nicht so viel verändert.

Die jungen Dänen dürften vor hundert Jahren der Er­öffnung der Karnevalssaison genauso sehnsüchtig entgegengefiebert haben wie ihre Urenkel jetzt dem Pop-Spektakel, und damals wie heute dürften bei diesen Festivitäten zahllose mehr oder weniger dauerhafte Zweierbeziehungen geknüpft worden sein. Womit man schon mitten drin ist in «Maskarade», Dänemarks im Ausland bis heute nicht so recht gewürdigter Nationaloper.
Vermutlich muss man tatsächlich diesen unendlich scheinenden skandinavischen Winter kennen, um zu verstehen, dass Nielsens Oper mehr ist als ein gemütliches, etwas angestaubtes Lustspiel über Liebschaften auf einem Kos­tümfest. Um zu spüren, dass es hier um Grundsätzlicheres ...

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Opernwelt Januar 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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