Irrgarten der Liebe
Worin liegt das Geheimnis der ungebrochenen Wirkung von Mozarts drei Da-Ponte-Opern? Vor allem wohl in dem ungeschminkten Menschenbild, das Librettist und Komponist im Zusammenklang von Wort, Gesang, Szene und Musik entworfen haben. «Konflikte» – so Ivan Nagel über die funkelnde Theatralität dieser Partituren – «dürfen hier wie nie zuvor, nie seither, sich real vollständig statt ideologisch verstümmelt zeigen».
Mozart durchtränkt den Konflikt der umhertaumelnden Geschlechter, der im Zentrum aller drei Stücke steht, mit einer aktionshaltigen Musik, die einerseits der szenischen Architektur dient, andererseits mit ihrem Formbewusstsein wie ihrer Dynamik die Prinzipien der klassischen Instrumentalmusik in den Dienst des Theaters stellt.
Die Nederlandse Opera hat in einem wahren Premierenmarathon die drei Stücke an drei aufeinanderfolgenden Tagen präsentiert. Der Vergleich zu Wagners «Ring» drängt sich auf, umso mehr, als die Stücke, in denen bereits die französische Revolution wetterleuchtet, innerhalb von vier Jahren entstanden sind. «Figaro», «Don Giovanni» und «Così» stellen allerdings keine zusammengehörige Trilogie dar, und Jossi Wieler und Sergio Morabito haben erst gar nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Von Honoré de Balzac, einem der aufmerksamsten Chronisten des 19. Jahrhunderts, stammt eine Sentenz, die das Phänomen Bohème folgendermaßen charakterisiert: «Die Bohème hat nichts und lebt von dem, was sie hat. Die Hoffnung ist ihre Religion, der Glaube an sich ist ihr Gesetzbuch, die Wohlfahrt gilt ihr als Budget. Alle diese jungen Menschen sind größer als ihr...
Über dem Mozart-Hype hätte man beinahe den anderen Jubilar vergessen, hundert Jahre jünger als der Jahresregent: Sigmund Freud. Von ihm stammt der Satz «Was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg», was wiederum als Spielstein fugenlos ins Programmpuzzle von «New Crowned Hope» passen würde. Künstler müssen der Welt Zeichen und Bilder des...
Einen von der musikalischen Substanz her eher matten Spielzeitbeginn bescherte Oldenburgs neuer Intendant Markus Müller seinem Opernpublikum: Zunächst Schostakowitschs bereits erheblich angejahrte «Moskau»-Operette, jetzt, als zweite Premiere, den seichten Polit-Thriller «The Death of Klinghoffer» von John Adams, ein seit seiner Brüsseler Uraufführung vor...
