Eher unspektakulär
Klingt diese Musik anders, wenn man weiß, dass sie auf den Rückseiten von Deportationsformularen notiert wurde? Von Theresienstadt, wo sie 1944 unter den absurden Umständen eines KZ mit «Kultur» entstand, ging der Weg für viele nach Auschwitz, auch für Viktor Ullmann. Seine dritte, mit dem jungen Dichter Peter Kien zusammengedachte Oper, für Lager-Kammerbesetzung komponiert, wurde dort nie aufgeführt. Es ist zu lesen, dass wir die Gründe für die Absetzung der Proben nicht kennen.
Dabei kommt uns dieses Stück über den Herrscher einer untergehenden Welt, dem der Tod die Gefolgschaft versagt und in der auch dem Harlekin die Späße ausgehen, unter den Bedingungen des Hitlerreichs als sowieso unmöglich aufführbar vor. So wenig kann man daran vorbeisehen, dass die junge italienische Regisseurin Ilaria Lanzino gar keine Hakenkreuze schlagen muss. Es ist auch so klar, dass dieser Kaiser dieses Atlantis einer jener Sorte Gewaltpotentat und Großsprecher ist, wie sie gerade wieder in Mode kommen, denen auch die Verantwortung für massenweises Sterben kein Achselzucken wert ist.
Kein Wunder, dass der Tod mangels solcher Wertschätzung keine Lust mehr hat, einzutreten. Hier macht er es sich, wo ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Holger Noltze
Metronome klicken und klacken gleich einer kakophonischen Fuge. Die jeden Klavierschüler nervenden Dinger lernen laufen, unter Wasser sogar, wo sie auf den grimmig dreinblickenden Herrn Beethoven treffen, der just hier unten, in den Tiefen des Rheins, der fernen Geliebten in diversen erotischen Unterwasserstellungen näherkommen darf, als es da oben auf Erden...
arte
02.11. – 05.00 Uhr
Miranda, frei nach Shakespeare & Purcell
Die britische Regisseurin Katie Mitchell hat sich mit ihren Opernkreationen binnen weniger Jahre in ganz Europa einen Namen gemacht. Nicht zuletzt auch dank ihrer Zusammenarbeit mit dem französischen Musiker Raphaël Pichon. Nach der Inszenierung von «Pelléas et Mélisande» brachte das Künstlerduo 2017...
Göttinnen und Götter weisen den Weg. Antike Skulpturen schauen versteckt aus den lauschigen Nischen und Hecken eines veritablen Lustgartens heraus. Die Giardini di Boboli gleichen einem Gesamtkunstwerk des italienischen Gartenbaus. Oberhalb des Palazzo Pitti strecken sie sich den Hügel empor – allein das ein spettacolo, ein Paradebeispiel für jene Kultur der Augen,...
