Eher unspektakulär

Ullmann: Der Kaiser von Atlantis
DÜSSELDORF | DEUTSCHE OPER AM RHEIN

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Klingt diese Musik anders, wenn man weiß, dass sie auf den Rückseiten von Deportationsformularen notiert wurde? Von Theresienstadt, wo sie 1944 unter den absurden Umständen eines KZ mit «Kultur» entstand, ging der Weg für viele nach Auschwitz, auch für Viktor Ullmann. Seine dritte, mit dem jungen Dichter Peter Kien zusammengedachte Oper, für Lager-Kammerbesetzung komponiert, wurde dort nie aufgeführt. Es ist zu lesen, dass wir die Gründe für die Absetzung der Proben nicht kennen.

Dabei kommt uns dieses Stück über den Herrscher einer untergehenden Welt, dem der Tod die Gefolgschaft versagt und in der auch dem Harlekin die Späße ausgehen, unter den Bedingungen des Hitlerreichs als sowieso unmöglich aufführbar vor. So wenig kann man daran vorbeisehen, dass die junge italienische Regisseurin Ilaria Lanzino gar keine Hakenkreuze schlagen muss. Es ist auch so klar, dass dieser Kaiser dieses Atlantis einer jener Sorte Gewaltpotentat und Großsprecher ist, wie sie gerade wieder in Mode kommen, denen auch die Verantwortung für massenweises Sterben kein Achselzucken wert ist.

Kein Wunder, dass der Tod mangels solcher Wertschätzung keine Lust mehr hat, einzutreten. Hier macht er es sich, wo ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Holger Noltze

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