Editorial Opernwelt 6/24

Opernwelt - Logo

Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht? Einmal abgesehen davon, dass Heinrich Heine, als er diese berühmten Verse zu Papier brachte, in erster Linie an seine ferne Mutter dachte und erst in zweiter an die verlorene Heimat, steht es um dieses Land, zumindest was die Künste angeht, nicht gar so schlecht (und vor allem nicht so schlecht, wie die ewigen Pessimisten es immer in den Wald hineinrufen).

Zugegeben, es gibt hier (Deutsche Bahn), da (Berliner Bürgerämter) und dort (Freundlichkeit ist eine Zier, doch weiter geht es ohne «ihr») einigen Verbesserungsbedarf, doch beschaut man allein das kulturelle Angebot zwischen Flensburg, Passau, Aachen und Görlitz und vergleicht dieses beispielsweise mit dem Königreich Großbr(ex)itannien oder der Situation im ebenfalls von horrenden Streichungen bedrohten Frankreich, kann man nur zu einem Schluss kommen: Wir leben zwar in der Provinz. Aber diese Provinz ist zugleich (noch) ein Paradies.

Einer derjenigen, die dies, mit gebotener Distanz, einer gehäuften Prise Ironie und großer Zugeneigtheit erkannten, war der Publizist Roger Willemsen, dessen Verlust (wie ebenfalls der von Christoph Schlingensief) nach wie vor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Vergebene Liebesmüh

Genügt ein prominenter Nachname allein, um eine erfolgreiche Aufführung zu garantieren? Offensichtlich nicht. Weder Chiara Muti, Tochter des großen Riccardo Muti, noch Irina Brook, Nachfahrin des brillanten Theatermachers Peter Brook, vermochten mit ihren Inszenierungen am Teatro alla Scala zu überzeugen.

Chiara Muti stand dabei vor einer enormen Herausforderung:...

«Ich bin noch nicht in der Skat-Phase»

Herr Nazmi, nach Ihrem Einspringen als Gurnemanz an der Bayerischen Staatsoper haben Sie zu einem Facebook-Schnappschuss hinzugeschrieben: «Mit meinem alten Meister Christian Gerhaher». Wie findet er so etwas?
Ich habe kurz überlegt, ob ich das so formulieren darf. Aber unser Verhältnis ist sehr freundschaftlich.

Auch wenn Gurnemanz und Amfortas kaum gemeinsame...

Glauben ohne Gott

Sogar Hiob hat es besser getroffen. In Stefan Hertmans historisch inspiriertem Roman «Die Fremde» gibt es für die arme Vigdis keine Erlösung, das macht auch die Opernadap -tion «The Convert (Beten – zu wem?)» von Anfang an deutlich. Die Dissonanzen sind bei Wim Henderickx immer präsent, stechend, warnend. Vor allem aber tragen sie das Gepräge des Zweifels, wenn...