Bla, bla, bla
Ein paar Zitate des Meisters aus Stratford kurven zu Beginn durchs Video. Wenn die Ouvertüre dann heißläuft, ist dort nur noch groß zu lesen: «Bla, bla, bla.» Keine an Shakespeare adressierte Blasphemie ist das, gemeint sind mutmaßlich Librettist Salomon Hermann Mosenthal und, als Mitschuldiger, der Komponist des Werks. «Die lustigen Weiber von Windsor», so sehr sie einst zum Spielopern-Repertoire gehörten, haben ja gleich mehrere Probleme; den übermächtigen «Falstaff», die stark startende, danach stark schwächelnde Dramaturgie, vor allem aber den überlangen Text.
Entstauben hilft nicht mehr, wie Brigitte Fassbaender vorführt, sondern nur noch eines: das Skalpell.
Ganze Seiten wurden für diese Premiere am Münchner Gärtnerplatztheater geopfert, auch einige Musikstrecken zerschnibbelt. Und was übrig blieb, wurde zusammen mit dem Dramaturgen Christoph Wagner-Trenkwitz sanft verheutigt. Nicht als aktualisierende Anbiederung, sondern mit kleinen, behutsamen Operationen, die auch schlimmste Machismen tilgten. Wer das Stück in dieser Version erstmals hört, glaubt glatt, es sei das Original.
Dass Nicolai und sein Textdichter aus Shakespeares Vorlage fast nur Karikaturen gewinnen konnten, ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Markus Thiel
Der Glaube, so sagt man, sei imstande, ganze Gebirgsketten zu versetzen. Der Aberglaube hingegen vermag Menschen in herbe Nöte zu stürzen, denen sie problemlos und bequem entweichen könnten, würden sie der Statistik vertrauen. Die besagt nämlich auch im Fall des berühmten Phänomens «Freitag, der Dreizehnte», dass an diesem Tag nicht mehr und auch nicht weniger...
Sein «Zar und Zimmermann» ging seit 1837 über 30 deutsche Bühnen. Berauscht vom Erfolg, schrieb Lortzing den «Hans Sachs», der 1840 in Leipzig aus Anlass des 400-jährigen Jubiläums der Buchdruck-Erfindung uraufgeführt wurde. Seine Heimatstadt Berlin hätte sich für solch demagogischen Unfug nicht hergegeben und behandelte ihn ohnehin schäbig. Sachsen hingegen...
An Rusalka scheiden sich die Geister. Weniger jedoch am Bühnenwerk gleichen Namens, sondern vor allem an dessen Titelheldin selbst, der schüchtern-schönen Schwester Undines und Melusines. Was bitte soll man machen mit einer Nymphe, die man sich heutzutage nur mühsam auf schweren Schwanzflossen über eine Bühne gleitend vorstellen kann? Welches «Bild» wäre wohl...
