Editorial Opernwelt 3/25
Man staunt nicht schlecht angesichts der jüngeren Vorfälle an der Berliner Alice Salomon Hochschule (ASH), wo sogenannte «linke» propalästinensische Aktivisten ungestört zur Intifada aufriefen und Zionisten zu unerwünschten Personen erklärten, ohne dass die Hochschulleitung mäßigend eingegriffen hätte.
Man staunt über die Chuzpe derer, die den täglich zunehmenden Antisemitismus – der britische Philosoph Brian Klug hat ihn zutreffend als eine «Feindschaft gegen Juden als Juden» definiert – in diesem Land als Kavaliersdelikt begreifen und es mehr oder weniger billigend in Kauf nehmen, dass jüdische Studierende – nicht nur an der ASH, sondern ebenso an anderen Wissenschaftshochschulen – unverhohlen bedroht werden und sich deswegen nicht mehr auf den Campus geschweige denn in die Vorlesungen trauen, weil sie Angst haben (müssen). Und man staunt darüber, dass es anscheinend straffrei gestattet ist, Gebäude, in denen der freie Geist «herrschen» sollte, zu verwüsten oder eine Richterin aus dem Hörsaal zu vertreiben, nur weil sie jüdischen Glaubens ist und dies auch noch offen bekennt. Man staunt und fragt sich: Darf das sein? Bereits im November 2024 sprach sich der deutsche Bundestag in ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Die größte Herausforderung, die es für Hänsel und Gretel in Engelbert Humperdincks Oper zu bewältigen gilt, ist nicht die böse Frau aus dem Wald, sondern überhaupt die Not des Lebens: Hunger, Armut, Verlassenheit. Erst im letzten Drittel des Stücks taucht die Knusperhexe auf, die in der Vorlage der Brüder Grimm noch Drehpunkt des Märchens ist. Bei Humperdinck und...
Ein ähnliches Setting des Stücks hatte 2019 auch Regisseur Floris Visser dem Publikum am Badischen Staatstheater Karlsruhe beschert: Das vermeintliche Einheitsbühnenbild hat einen Zwilling auf der Drehbühne. So auch an der Opéra national du Rhin. Zweimal hat Christof Hetzer seinen perspektivisch stark nach hinten verjüngten Raum mit der Ornamenttapete gebaut –...
Multitalent
Sie ist eine Frau, die weiß, was sie kann und was sie will. Und nie käme Dagmar Manzel auf die Idee, sich ihren Mund verbieten zu lassen. Offenheit ist für sie eine Tugend, und jene besonderen Gaben, die nötig sind, um das auf der Bühne zu zeigen, besitzt sie auch. Vor einigen Jahren hat sie sich der Oper zugewandt, zunächst als Sängerin, nun auch als...
