Editorial Opernwelt 2/24
Georg Friedrich Wilhelm Hegel war ein unverbesserlicher Optimist, sah er doch in der Entwicklung der Geschichte eine Entwicklung hin zu Freiheit und Vernunft. Allein ein flüchtiger Blick ins Heute hätte ihn vermutlich eines Besseren belehrt: Mag sich die Menschheit auf dem technologischen Vormarsch befinden (wiewohl in eine mehr als ungewisse Zukunft), so steht es um die Ideale von Freiheit und Vernunft nicht eben zum Besten.
Defizitäre Erfahrungen aller Arten dominieren die Spätmoderne, und es ist gewiss kein Zufall, dass Andreas Reckwitz in seiner kürzlich erschienenen «Verlust»-Studie auf Hegels Hoffnung rekurriert, um in seiner Analyse zu dem Ergebnis zu gelangen, die philosophische Utopie könne sich womöglich als vergeblich erweisen, weil sie im Widerspruch zur Wirklichkeit steht. «Diese Gesellschaft», so Reckwitz, «basiert auf einem grundlegenden Widerspruch, der sich zwischen ihrem radikalen Fortschrittsglauben und der Realität von Verlusterfahrungen auftut. Zugleich wirkt in ihr eine basale Verlustparadoxie, die sich daraus ergibt, dass sie einerseits unsichtbar gemacht und andererseits intensiviert bearbeitet werden».
Betrachtet man die Spardebatten der vergangenen ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Rien ne va plus? Au weia!» Mit diesem Geflachse, als hätten sie’s geahnt, beginnt das Editorial der Stuttgarter «Oper im Winter» zur Aufführung von Ralph Benatzkys «Casanova» auf Musik von Johann Strauss. Einen solchen künstlerischen GAU hat das Haus seit 2006 nicht mehr erlebt. Damals kam Klaus Zehelein bei seiner allerletzten Premiere der Regisseur abhanden,...
Peter Gelbs Vorliebe für Broadway-Regisseure, deren Begabung abseits der großen Oper liegt, setzt sich mit der neuen «Aida» von Michael Mayer fort. In Mayers Inszenierung taucht ein Archäologe im Stil von Indiana Jones aus den 1920er-Jahren auf sowie später ebenfalls dessen Freundin und Partnerin, die wie die Minnie aus Puccinis «La fanciulla del West» gekleidet...
Herr Zielke, die erste Information auf Ihrem Facebook-Account lautet «Ich bin 1,87 Meter groß». Warum ist das so wichtig?
Der Eintrag ist 20 Jahre alt, glaube ich. In den Sozialen Netzwerken wird ja Selbstdarstellung großgeschrieben. Hobbys wie Reiten, Reisen – da fand ich eine solche Banalität ganz passend.
Wie wichtig ist Social Media in Ihrem Beruf?
Sehr...
