Gegen die Vergänglichkeit
Der wichtigste Protagonist bleibt ungesehen. Weder im Klappentext noch im Hauptteil des Bildbandes «Through the Looking Glass», der Arbeiten des Münchner Theaterphotographen Wilfried Hösl aus 39 Jahren dokumentiert, ist sein Porträt zu sehen. So bleibt der Mann hinter der Kamera ohne Gesicht, dessen Bilder zwei Generationen von Theater-, Ballett- und Operngängern prägten.
Zum Abschied von der Bayerischen Staatsoper, deren Hauptphotograph der 1957 Geborene seit 1993 war, haben die Freunde des Nationaltheaters die Edition dieses drucktechnisch hochwertigen Bandes unterstützt – ein echtes Schirmer/Mosel-Produkt, man denke an die Bildbände zu Maria Callas und Glenn Gould. Auch ein Theaterphotograph «inventarisiert die Sterblichkeit», um die viel zitierte These von Susan Sontag aufzugreifen. Hier gar zweifach, da die Photos einer Inszenierung, einer Aufführung nicht nur «eine Art memento mori» der Spielerinnen und Spieler sind, sondern ganzer Produktionen, die irgendwann in den Fundus wandern, und wenn Platz gebraucht wird, vernichtet werden. Gegen die Vergänglichkeit stemmt sich Theaterphotographie.
Nun gibt es hier für die Frau oder den Mann mit dem Apparat unendliche Behinderungen ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Götz Thieme
Dass die vom Genre der Opéra-bouffe vorgesehene Rettung des Paares aus aussichtsloser Einkerkerung gelingt, liegt an einem alten Gefangenen, der sich seit zwölf Jahren mit einem Messerchen einen Tunnel in die Freiheit gräbt: Im genau richtigen Moment hat er sich nun in die Zelle der Périchole und ihres Piquillo durchgewühlt. Es fehlten, sagt er, bloß noch zwölf...
Der Sturm tobt nur außen. Was gut ist. Man möchte ihn wirklich nicht erleben. Dazu lässt es das Philharmonische Orchester Ulm ordentlich krachen, blitzen und donnern. Es ist ein kosmischer, apokalyptischer Orkan, der alles und jeden wegfegt. Die Menschen haben sich in eine Schutzzone zurückgezogen, einen von Neonlicht erleuchteten Betonraum zwischen Bunker-Anmutung...
Cooles Cover: Gnadenlos frontal fixiert Aleksandra Kurzak (sie muss es wohl sein, Vergleiche mit weniger stark bearbeiteten Photos im Booklet des Albums lösen gleichwohl Zweifel aus) den Betrachter, die Augen hinter einer insektenaugengroßen Sonnenbrille verborgen. Lange Ohrgehänge hört man beim Betrachten schon klimpern, die Haare verschwinden unter einem streng...
