Editorial Mai 2024
Unermüdlich wirkt der Geist, der forscht. 92 Jahre alt ist Alexander Kluge, einer der maßgeblichen Intellektuellen dieses Landes, im Februar geworden und nach wie vor mit einer Wachheit gesegnet, die sich viele jüngere (und wokere) Teilnehmer an gesellschaftspolitisch-künstlerischen Diskursen vermutlich wünschen würden. Jüngster Beleg ist ein gemeinsam mit Sonja Dierks, einer der Mitherausgeberinnen der Zeitschrift «Musik & Ästhetik», verfasster Artikel in der April-Ausgabe dieser Publikation mit der Überschrift «Pluriversum Oper».
Gleich die ersten Sätze dieses Gedankenspiels schlagen mit einer seltenen Macht in unser Bewusstsein – nicht aber, um uns zu schockieren, sondern um uns zum Nachdenken zu animieren: «Wir gehen davon aus», schreiben Dierks und Kluge, «dass der Begriff der Oper erst noch gefunden werden muss, und dass es sich lohnt, die existierenden Opernstoffe über deren Ende hinaus weiterzuerzählen. Es gibt keine Lösung für das Rätsel Oper und die Vielzahl ihrer Formmöglichkeiten. Am Ende bleibt immer eine ganz große Offenheit, ein Aufgeschlossenwordensein für ein Futur zwei, das der Umkehr des Zeitpfeils hinterhergeflogen sein wird».
Zur Begriffserklärung: ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Rodion Schtschedrins erstes Bühnenwerk «Nicht nur Liebe» markierte 1961, zu Zeiten der relativen Entspannung durch Chruschtschows Politik, eine bedeutende Wende in der sowjetischen Oper. Das stilistisch innovative Werk, ein postmodernistisches Zusammenspiel aus verschärfter Rhythmik à la Strawinsky und vertiefter Dramatisierung à la Mussorgski, zog sofort große...
Am Ende kratzte man sich den Kopf. Sicher, das kann bei Uraufführungen schon mal vorkommen. Aber es ist doch eine Seltenheit, dass immer auch das Gegenteil dessen zumindest nicht ganz falsch ist, was man zugunsten einer Aufführung sagen oder als Kritik an ihr einwenden möchte. Dieser Abend war gute drei Stunden lang lähmend und erfrischend, locker und verkrampft,...
Gerade noch hat Dramaturgin Sarah Grahneis umsichtig das gleich folgende Stück erklärt, mit dem Librettisten Händl Klaus über die Bedeutung des Textes wie die komplexe Musik von Georg Friedrich Haas gesprochen. Und schon geht es vom Foyer des Staatstheaters auf die Bühne und dortselbst auf eine Tribüne. Vor uns das Orchester, an den Flanken positioniert, in der...
