Editorial Mai 2020
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Zeit ist aus den Fugen. Wir hätten nie gedacht, dass unsere Städte und Länder den Shutdown erleben, dass Theater schließen, Opern nicht mehr spielen, Tänzer nicht mehr tanzen; jedenfalls nicht mehr öffentlich auf der Bühne, sondern bestenfalls im Streaming.
Menschenleben stehen «zur Disposition», wenn nicht mehr allen gleichermaßen geholfen werden kann.
Wie es in unseren Krankenhäusern und auf unseren Straßen, in unserem Gemüt und in unseren Köpfen aussehen wird nach Ostern, wenn dieses Heft Sie – hoffentlich gesund – erreicht, das kann jetzt niemand wissen. Erleben wir die Erschütterung der Grundfesten unserer Gesellschaft und damit auch des Kulturlebens – oder demnächst eine Renaissance der Zivilgesellschaft und der Künste?
Was wird währenddessen aus den frei arbeitenden KünstlerInnen, den vielen EinzelkämpferInnen, den nun Vereinzelten? Wie schnell erreicht sie die versprochene Soforthilfe? Bevor sie privat insolvent werden und die Miete nicht mehr zahlen können? Was wird aus den vielen Freien Theatern und Gruppen? Wer kompensiert die fehlenden Kasseneinnahmen?
Wenn die Häuser wieder öffnen (zu Saisonbeginn?), werden die Zuschauer dann ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Michael Merschmeier
Für ungewöhnliche Projekte war The Industry schon immer gut. Mit «Sweet Land» ist der freien Operntruppe in Los Angeles nun der nächste große Wurf gelungen – eine faszinierende Performance über die Kolonisierung der Ureinwohner Nordamerikas. Als Bühne diente die Natur: der in Sichtweite des Zentrums gelegene State Historic Park. Während die «Handlung» unter freiem...
Sie ist ein Biest, wie es in manchem Buche steht. Herrschsüchtig, durchtrieben, hinterlistig – und karrieregeil, würde man wohl heute sagen. Ein durch und durch schlechter Charakter, doch irgendwann erwischt es jeden. Auch Julia Agrippina, vierte Ehefrau des römischen Kaisers Claudius, Schwester Caligulas und Mutter Neros, wird eines Tages von ihrem Gewissen...
Ein Spiel mit Göttern und Menschen» nennen die Autoren, die Textdichter Karl Michael von Levetzow und Leo Feld sowie der Komponist Hans Gál, im Untertitel ihre 1923 in Düsseldorf uraufgeführte komische Oper «Die heilige Ente». Das Stück war seinerzeit höchst erfolgreich und erlebte bis 1933 mehr als 20 Inszenierungen. Der 1890 geborene Österreicher Gál, zuletzt...
