Editorial Mai 2020

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Liebe Leserin, lieber Leser,

die Zeit ist aus den Fugen. Wir hätten nie gedacht, dass unsere Städte und Länder den Shutdown erleben, dass Theater schließen, Opern nicht mehr spielen, Tänzer nicht mehr tanzen; jedenfalls nicht mehr öffentlich auf der Bühne, sondern bestenfalls im Streaming.

Menschenleben stehen «zur Disposition», wenn nicht mehr allen gleichermaßen geholfen werden kann.

Wie es in unseren Krankenhäusern und auf unseren Straßen, in unserem Gemüt und in unseren Köpfen aussehen wird nach Ostern, wenn dieses Heft Sie – hoffentlich gesund – erreicht, das kann jetzt niemand wissen. Erleben wir die Erschütterung der Grundfesten unserer Gesellschaft und damit auch des Kulturlebens – oder demnächst eine Renaissance der Zivilgesellschaft und der Künste?

Was wird währenddessen aus den frei arbeitenden KünstlerInnen, den vielen EinzelkämpferInnen, den nun Vereinzelten? Wie schnell erreicht sie die versprochene Soforthilfe? Bevor sie privat insolvent werden und die Miete nicht mehr zahlen können? Was wird aus den vielen Freien Theatern und Gruppen? Wer kompensiert die fehlenden Kasseneinnahmen?

Wenn die Häuser wieder öffnen (zu Saisonbeginn?), werden die Zuschauer dann ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Michael Merschmeier

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