Einfach verführerisch
Sie ist ein Biest, wie es in manchem Buche steht. Herrschsüchtig, durchtrieben, hinterlistig – und karrieregeil, würde man wohl heute sagen. Ein durch und durch schlechter Charakter, doch irgendwann erwischt es jeden. Auch Julia Agrippina, vierte Ehefrau des römischen Kaisers Claudius, Schwester Caligulas und Mutter Neros, wird eines Tages von ihrem Gewissen befragt. Und das ist angesichts der Verfehlungen dieser Frau wirklich kein Spaß.
Georg Friedrich Händel wusste dies, als er die Arie «Pensieri, voi mi tormentate» komponierte und sie der Titelfigur (präziser: der Primadonna assoluta Margherita Durastanti) seines höchstwahrscheinlich auf ein Libretto von Vincenzo Grimani komponierten und am 26. Dezember 1709 in Venedigs Teatro Grimani (!) di S. Giovanni Cristostomo uraufgeführten Musikdramas auf die Stimmbänder legte. Ein gedehntes Lamento, das der Singstimme eine Oboe zur Seite gesellt, gleichsam als Echo der inneren Stimme. Händel zeichnet hier das Porträt einer vollends zerrissenen Frau: Dem langgezogenen Ton zu Beginn, der klingt wie ein schier unendlicher Seufzer, folgen, als Ausdruck der inneren Qualen, zerhackte Kantilenen, furiose Ausbrüche einer aufrührerischen ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: CD des Monats, Seite 31
von Jürgen Otten
Eine Allerweltsfrage bekommt eine neue Bedeutung: Wie geht es Ihnen?
Wenn man von 100 auf null runterfährt, dann reagiert die Psyche entsprechend. Sonst habe ich immer innerlich einen gewissen Dampf, weil man ständig an den nächsten Termin denkt. Und nun muss sich der Körper eben umstellen. Ich weiß nicht, wann sich meine Engagements fortsetzen. Wenn man es...
Wenn in diesen Tagen die Premiere von Philip Glass’ «Les Enfants terribles» im Moskauer Kindermusiktheater Natalia Saz angekündigt wird, verwundert das niemanden mehr. Seit 2010, dem Beginn der Intendanz von Georgij Isaakjan, der zuvor fast 20 Jahre Künstlerischer Leiter der Oper in Perm war, hat sich das «Saz» in ein Haus verwandelt, das einen wohltuend...
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Zeit ist aus den Fugen. Wir hätten nie gedacht, dass unsere Städte und Länder den Shutdown erleben, dass Theater schließen, Opern nicht mehr spielen, Tänzer nicht mehr tanzen; jedenfalls nicht mehr öffentlich auf der Bühne, sondern bestenfalls im Streaming.
Menschenleben stehen «zur Disposition», wenn nicht mehr allen...
