Editorial März
Manchmal ist die Dramaturgie eines Opernwelt-Heftes eine klare, vorab konzipierte Sache. Die Redaktion legt thematische Leitlinien fest, denkt über Inhalte und Textformen nach und sucht dann die entsprechenden Autoren. Manchmal ergibt sich eine solche Dramaturgie aber auch zufällig. Und sie muss deshalb keineswegs schlechter sein. So geschehen bei diesem Heft: Zwei zentrale Aufführungen ergänzen sich in ihrem Zugriff, und das Gespräch mit dem Dirigenten Hartmut Haenchen (das aus Anlass seines 70. Geburtstages geführt wurde) passt perfekt dazu.
Auf den ersten Blick scheinen Meyerbeers Vasco de Gama in Chemnitz und Thomas Hengelbrocks konzertanter Parsifal in Dortmund/Essen gar nicht viel miteinander zu tun zu haben. Im einen Fall spielt man erstmals nach der neuen kritischen Gesamtausgabe, was bedeutet, dass Meyerbeers letzte Oper fünf Stunden und zehn Minuten dauert. Im anderen Fall geht es um eine neue, alte Klanglichkeit des bekannten Notentextes: das Bühnenweihfestspiel auf historischem Instrumentarium. In beiden Fällen ist der Weg zurück zu den Quellen jedoch einer nach vorne. Wir lernen zum Beispiel: Meyerbeers Panorama an Szenen und Stimmungen kann sich erst entfalten, ja es ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann
Mitunter überlebt Vergessenes oder Ausgeblendetes nahezu unbemerkt in Werken, die längst zum Kanon gehören. Wie jenes Zitat aus dem sechsten der Acht Lieder op. 6 (1903), das Schönberg in seinem 1924 unter Leitung Zemlinskys in Prag uraufgeführtem Monodram Erwartung op. 17 (1909) verwendet. Adorno hat in der Philosophie der neuen Musik darauf hingewiesen. Nun...
Weit über dreihundert Titel umfasst die Liste der aktuellen Neuheiten auf dem Gebiet des Klassik-Musikfilms, die im Lauf des vergangenen Jahres produziert wurden oder kurz vor ihrer Fertigstellung stehen. Zu sehen waren sie nun bei den Screenings des Internationalen Musikzentrums Wien im Rahmen der Midem in Cannes. Vieles davon wird in den kommenden Monaten und...
Die ersten Takte signalisieren Jahrmarkt oder Music Hall, leicht angeschrägt. Man könnte auch an die Klangchiffre eines kreiselnden Roulette-Rades denken: Wir befinden uns in einem imaginären Spielcasino, in «Roulettenburg». Dort spielt, frei nach Dostojewskij, die Oper Der Spieler, ein frühes Projekt Sergej Prokofjews, das er schon 1917 für das Mariinsky-Theater...
