Aus zweiter Hand
Operettenkönige gab es nicht nur in Wien. Als die k.u.k. Welt noch in Ordnung und das ganze Wiener Leben Operette war, machten die Berliner schon ihr eigenes Ding. Schielten weder zu Offenbachs bittersüßen Buffonerien nach Paris, noch auf die Walzer an der schönen blauen Donau. Blähten lieber die preußischen Backen und pfiffen ihren Stücken ein bisschen Marschluft und eine Prise Kurkapelle ein.
Später, als im kriegsversehrten deutschen Reich nur noch Kaisereichen und Bismarcktürme vom Hurra-Pariotismus der wilhelminischen Pickelhauben kündeten, lieferte Amerika den Stoff, aus dem in Berlin die neuen Operettenträume geschneidert wurden: Revue, Vaudeville und Music Hall, Shimmy, Foxtrott und Charleston. Die Herzogin kam nun (sogar in Wien!) aus Chicago, Rhythmus und Tonfall wehten vom Broadway rüber. Künneke, Charell, Benatzky, Abraham – wer etwas war oder werden wollte in der Weimarer Unterhaltungsbranche, suchte den Kick im gelobten Land des Showbiz.
Am Metropol-Theater hatte man es schon 1909 mit einer «amerikanischen Tanzoperette» probiert. Die oberen Zehntausend, eine Typenkomödie mit falscher Prinzessin, schwerreichen Bonvivants, verzogenen Millionärstöchtern und einem ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Albrecht Thiemann
Er schafft es immer wieder. Das scheinbar Vertraute neu zu sehen und neu zu hören. Als wären wir ihm nie begegnet. Mozart zum Beispiel schickte er vor ein paar Jahren in die Banlieues. Bach hat er befragt und Monteverdi. Und zuletzt die C(h)œurs von Verdi und Wagner. Ihren Puls, das in ihnen Pochende, aus ihnen Drängende will Alain Platel uns unter die Haut...
Sensationelle Erkenntnisse verhieß sie, die Ausstellung Mozart-Bilder – Bilder Mozarts im Mozart-Museum am Salzburger Makartplatz (bis 14. April 2013). Das berühmte Porträt von Johann Joseph Lange (1789), Mozarts Schwager, sei nicht unvollendet, wie «jüngste» Analysen des Münchner Doerner-Instituts bewiesen; eine Miniatur sei «kürzlich» als authentische...
Die Aufführung begann um fünf nach vier am Nachmittag. Als nach dem ersten Akt der Applaus einsetzte, war es fünfundreißig Minuten nach fünf, ohne dass unsere Uhr ihren Geist aufgegeben hätte. Das ist natürlich keine präzise Zeitmessung, aber doch eine verblüffende Erkenntnis und sehr wahrscheinlich ein Rekord. Schneller ist der Gral noch nie enthüllt worden –...
