Editorial März 2021
Um die Welt zu verstehen, ihren Lauf, ihre wahnwitzigen Wendungen, empfiehlt sich von Zeit zu Zeit ein geneigter Blick in den Wirtschaftsteil einer seriösen Tageszeitung, sagen wir: der «SZ». Da las man Anfang Februar mit staunenden Augen, dass Hegdefonds an der New Yorker Wall Street binnen weniger Tage umgerechnet 16,6 Milliarden Euro verloren hatten, weil Finanzwetten aus dem Ruder gelaufen waren und Privatanleger die Heuschrecken-Fonds in einer konzertierten Aktion attackiert hatten.
Grund für den grotesken Angriff war der Kurs einer Videospiel-Kette mit dem zauberhaft-doppeldeutigen Namen «GameStop». 16,6 Milliarden, mein lieber Herr Gesangsverein! Nur zum Vergleich: Der bundesdeutsche Etat für Kultur und Medien beträgt für das laufende Jahr 2,14 Milliarden Euro. Ein Achtel. «Peanuts», würde Hilmar Kopper, ehemals Chef der Deutschen Bank, ausrufen. Andere Ungeister könnten darin mit leisem Spott eine Finanzspritze für die systemisch kaum relevante «Freizeitunterhaltung» vermuten. Die Wahrheit aber sieht doch etwas bunter aus: Mit diesen 2,14 Milliarden Euro, den Finanzmitteln der Länder und mit Sponsorengeldern wird etwas Lebenswichtiges bezuschusst und überhaupt erst ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Auf der einen Seite Virologen, Politiker und große Teile der Bevölkerung, die zur Bekämpfung der Pandemie radikale Kontaktbeschränkungen fordern, durchsetzen, akzeptieren. Auf der anderen Seite diejenigen, die froh sind über jede Sondergenehmigung des Senats für die künstlerische Ausbildung, über jeden irgend möglichen Gestaltungsspielraum. Unsere Ausbildung lebt...
Großfamilie, das trifft es nicht ganz, da gibt es zu viele Assoziationen über Opas und Omas, liebe Tanten und böse Onkel. Nennen wir es also Klassentreffen. Weil manchmal der eine nicht kann oder die andere nicht eingeladen wurde. Und weil diese Klasse aus ähnlichen Lebewesen, aus Ermöglichern und Spürhunden, Königsmachern und Königinnenkrönern besteht. Vor allem...
Die «grauenvolle Stille», welche Florestan im finstersten Winkel des Staatsgefängnisses von Sevilla umfängt, ist so beredt wie eine Generalpause in einer Symphonie von Anton Bruckner. Die Assoziationsmaschine seines Gehirns läuft auf Hochtouren. Er denkt zurück an des Lebens Frühlingstage und antizipiert zugleich hellere Zeiten, imaginiert «sanft säuselnde Luft»,...
