Editorial Januar 2022
Der Satz ist, wiewohl etwas altfränkisch in seiner Semantik, Legende und als «kategorischer Imperativ» in die Philosophie- und Kulturgeschichte eingegangen als ein zeitlos gültiges Postulat, das gewiss auch die Zustimmung des Ethik-Experten Freiherr von Knigge gefunden hat: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.» So steht es schwarz auf weiß in Immanuel Kants «Grundlegung zur Metaphysik der Sitten» von anno 1785.
Es ist nicht bekannt, ob Peter Konwitschny diese Sentenz (wenn nicht gar das gesamte Traktat) gelesen hat. Aber auch er weiß, dass sie Gültigkeit besitzt als Faustregel für den zwischenmenschlichen Umgang – in der Öffentlichkeit wie im Theater. Und womöglich hat dieser begnadete Regisseur, dem wir zahllose magische Abende verdanken, Kunde erhalten von dem, was der Deutsche Bühnenverein auf seiner Jahreshauptversammlung 2021 vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Debatten verabschiedet hat: einen, wie es im Amtsdeutsch so schön heißt, «wertebasierten Verhaltenskodex», welcher dem drei Jahre zuvor beschlossenen Leitfaden (dessen Fokus auf den Themen «sexuelle Übergriffe» und ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Mrs. Lovett liebt Fleischpasteten. Aber nicht irgendwelche. Sie bevorzugt die mythische Variante. Wie Tantalos, der die Götter prüfen wollte, als er ihnen seinen Sohn Pelops zum Mittagsmahl servierte, wie Atreus, der die Söhne des Thyestes schlachtete, damit er sie seinem Bruder kredenzen konnte, so verfrachtet auch die Londoner Geschäftsfrau all jene Leichen, die...
Simon Laks wurde am 1. November 1901 in Warschau geboren. Am selben Tag wie der bedeutende Musikwissenschaftler Hans Heinz Stuckenschmidt, der am 1. November 1901 in Strasbourg das noch recht optimistisch leuchtende Licht der Welt erblickte. Stuckenschmidt verbat man bereits 1934 das Schreiben und Publizieren, hatte er sich doch nachhaltig für jüdische Musikerinnen...
Über die Frage, was der Mensch sei, haben sich Legionen von Dichtern und Denkern das Hirn zerdrückt. Immerhin eines aber konnte konstatiert werden: Die Krone der Schöpfung ist der homo sapiens sapiens, wie es wissenschaftlich korrekt heißt, vermutlich eher nicht. Auch kein Schwein, wie der (charakterlich zweifelhafte, lyrisch große) Gottfried Benn vermutete....
