Editorial Januar 2022
Der Satz ist, wiewohl etwas altfränkisch in seiner Semantik, Legende und als «kategorischer Imperativ» in die Philosophie- und Kulturgeschichte eingegangen als ein zeitlos gültiges Postulat, das gewiss auch die Zustimmung des Ethik-Experten Freiherr von Knigge gefunden hat: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.» So steht es schwarz auf weiß in Immanuel Kants «Grundlegung zur Metaphysik der Sitten» von anno 1785.
Es ist nicht bekannt, ob Peter Konwitschny diese Sentenz (wenn nicht gar das gesamte Traktat) gelesen hat. Aber auch er weiß, dass sie Gültigkeit besitzt als Faustregel für den zwischenmenschlichen Umgang – in der Öffentlichkeit wie im Theater. Und womöglich hat dieser begnadete Regisseur, dem wir zahllose magische Abende verdanken, Kunde erhalten von dem, was der Deutsche Bühnenverein auf seiner Jahreshauptversammlung 2021 vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Debatten verabschiedet hat: einen, wie es im Amtsdeutsch so schön heißt, «wertebasierten Verhaltenskodex», welcher dem drei Jahre zuvor beschlossenen Leitfaden (dessen Fokus auf den Themen «sexuelle Übergriffe» und ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Interessante Selbsteinschätzung: «Ich bin beständig wie der Nordstern / Von jener wahren festen und ruhenden Qualität / Es gibt keinen anderen am Firmament. / Der Himmel ist mit unzähligen Funken bemalt. Sie sind alle schön, und jeder leuchtet; / Aber es gibt nur einen in allen, der seinen Platz hält. / Ich bin derjenige, der sich nicht bewegen kann.» So sagt und...
Einen erstaunlichen Reichtum an Musiktheaterperlen zog Ludovico Ariostos Anfang des 16. Jahrhunderts in Norditalien entstandenes Versepos vom «rasenden Roland» nach sich. Man braucht dazu gar nicht alle Komponistinnen und Komponisten aufzählen, die im Barock aus Teilen der Storys um die – doch ziemlich ähnlichen – Zauberinnen Armida (Torquato Tasso: «La Gerusalemme...
Der Argwohn war groß, die Erleichterung noch größer. Fachfremde Berühmtheiten, die Opern zu inszenieren versuchen, fallen meist auf die Nase. Nicht so Christian Lacroix, einst gefeierter Couturier, heute gefragter Kostümbildner für die Bühne. Mit Offenbachs «La vie parisienne» an der Opéra de Rouen Normandie hat der 70-Jährige seinen Regie-Einstand magna cum laude...
