Der Tod wartet auf der anderen Seite der Tür
Nichts fürchtet der Mensch mehr als das Ende. Den Tod. Dabei gäbe es einigen Grund zum Trost. Denn bei Lichte betrachtet, hat der Tod mit unserem Leben nur sehr wenig zu tun. Solange man existiert, kann der Tod nicht im gleichen Raum sein, und vice versa ist dort, wo der Tod wohnt, kein Platz mehr für Lebende. Oder wie es Ludwig Wittgenstein so schön lakonisch und zugleich wissenschaftlich fundiert formuliert hat: «Der Tod ist kein Ereignis des Lebens.»
Was Wittgenstein vergaß zu sagen: Aber er wartet auf der anderen Seite der Tür.
Franz Schubert hat diese Tür nicht nur einmal weit aufgestoßen. Er kannte den finsteren Gesellen, der da drüben hämisch grinsend seiner harrte. Und er schrieb Lied um Lied gegen ihn, dabei ängstlich bibbernd, es könnte ihn demnächst erwischen. Auch in seinem «Schwanengesang» D 957 geht der Tod (und nicht nur der Tod der Liebe) umher, vor allem in jenem Lied, das uns noch heute Schauder über den Rücken treibt, wenn es gut gesungen wird: «Der Doppelgänger» auf Heinrich Heine. Ein Selbstbildnis in h-moll, der Tonart des Todes auch bei anderen Komponisten (Verdi, Puccini etc.), das darüber hinaus Bild einer von Liebe verlassenen Welt ist.
Jeder Akkord ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Jürgen Otten
So etwas hat natürlich immer das Potenzial für einen lokalen Aufreger: Im Vorfeld der Landestheater-Premiere von Verdis «Macbeth» in der Felsenreitschule wurde publik, dass der Bühnenboden unter Zuhilfenahme von schwerem Gerät mit 20 Tonnen heimischer Moorerde bedeckt würde. Vergleichsweise kurz flammte ökologischer Protest auf, den man mit der Botschaft abfederte,...
Den Schlüsselsatz zu dem Stück hat der Autor selbst geschrieben: «Wie können sich Schriftsteller solche Sujets aussuchen? [...] Erstens hat das Vaterland nicht den geringsten Nutzen davon; zweitens – aber auch zweitens ist kein Nutzen dabei …» Herbert Fritsch muss die letzten Worte aus Nikolai Gogols Erzählung «Die Nase» von 1836 geradezu inhaliert haben, als er...
Wie schnell die Zeit vergeht. Ein Blick in den Aufführungskalender der Kölner Kinderoper aus den vergangenen Jahren, ein Gang durch den Backstage-Bereich des Staatenhauses, ein paar nachdenkliche Momente im Gespräch mit Opernintendantin Birgit Meyer – und 25 Jahre Kölner Kinderoper fühlen sich nicht mehr an wie das Vierteljahrhundert, das sie sind. Vielmehr wirken...
