Der Berg singt
Wenn man am Fuß der Eiger-Nordwand in den Berner Alpen steht, fragt man sich, wie jemand auf die Idee kommen kann, da hinaufzuklettern. 1.800 Meter senkrechter Fels. Und Eis. Weshalb man überhaupt klettert, erklärt Eduard Rainer im Stück. Es gehe darum, die Schwerkraft zu besiegen, zu schweben, den Boden zu verlassen, kein Mensch mehr zu sein. «Der Mensch ist Dreck, und der Boden im Tal ist getränkt mit Blut.» So gesehen hat die Kletterei genug Pathos, um als Opernstoff zu taugen.
Wie das dann klappen kann, zeigt das Theater Orchester Biel Solothurn mit der Uraufführung von «Eiger», komponiert von Fabian Müller nach einem Text von Tim Krohn.
Die Nordwand hatte schon einige Opfer gefordert, 1936 versuchten abermals zwei konkurrierende Seilschaften, die sich auf dem Weg zusammentaten, die Erstbesteigung. Zwei aus Bayern, Toni Kurz und Andreas Hinterstoißer, zwei Österreicher, Mitglieder der SA, Eduard Rainer und Willy Angerer. Alle vier kamen bei dem Versuch um. Die Nordwand wurde zwei Jahre später bezwungen. «Eiger», die Oper, spielt praktisch nur in der Wand. Sie beginnt ziemlich voraussetzungslos im Fels und endet auch dort. In 80 Minuten erfährt man viel übers Klettern, über die ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Egbert Tholl
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Märchen fragen nicht nach stringenter Handlungslogik, sondern nach dem tieferen Sinn und ebensolcher Erkenntnis. Sie schaffen Raum für Fantasien. Insofern passen die beiden Musiktheaterwerke, die die Oper Graz kurz nach dem neuerlichen Lockdown in einem Kraftakt an zwei aufeinander folgenden Abenden präsentierte, durchaus zusammen; auch wenn sie ihrer Entstehung...
Am Ende war der Jubel groß. Wieder einmal hatte Frankfurts Intendant Bernd Loebe mit Mut zum Wagnis sein Publikum überwältigt. Und das mit einem Stück des hierzulande sträflich unterschätzten Nikolai Rimsky-Korsakow, das selbst die Kenner und Liebhaber dieses größten russischen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts noch nie auf der Bühne sehen durften. An diesem...
