Seelen-Sängerin

«The Orfeo Recordings» mit Júlia Várady

Opernwelt - Logo

Als es an deutschen Opernhäusern noch einen Repertoirebetrieb gab, in dem es üblich war, dass prominente Sängerinnen und Sänger  nur an ein, zwei Abenden gastierten, da stellten sich manchmal – trotz kurzer Einweisungsproben – musikalische Sternstunden ein. Etwa wenn die Sopranistin Júlia Várady in den Achtzigern und Neunzigern in Hamburg in einer schon damals in die Jahre gekommenen, aber den Nachtcharakter des Werks treffenden Götz-Friedrich-Inszenierung von  «Il trovatore» die Leonora sang.

Dann stand bei «Tacea la notte placida» die Zeit still: Várady war auf der düsteren Szene durch einen mittelhellen Spot herausgestellt, allein mit sich und der Erinnerung an die Laute des in der Ferne singenden Troubadours. Várady lädt diese Szene in dem 1995 München aufgenommenen Album mit Verdi-Arien erotisch auf; der intensive Stimmton ist leicht aufgeraut, bebend.

Várady, 1941 im Grenzland von Ungarn/Rumänien geboren, wurde von der Plattenbranche nicht angemessen gewürdigt; oftmals wurden für Gesamtaufnahmen Sängerinnen bevorzugt, die kaum an Váradys Intensivität der Darstellung heranreichten. Umso erfreulicher, dass Orfeo anlässlich des 80. Geburtstages der Sopranistin am 1. September ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Verloren im Raum

Stellen wir uns vor: ein Opernlaboratorium. Darin wirken nicht nur Dirigenten und Librettisten, Regisseure, Bühnen- und Kostümbildnerinnen, Sängerinnen und Sänger sowie multimediale Profis, dort trifft man zudem Spezialisten anderer, eher kunstferner Disziplinen. Was sie eint, ist das Ziel. Und das besteht im konkreten Fall darin, acht sogenannte...

Starker Tobak von Papa

«Poison!» schrieb der belgische, aber in Paris lebende und lehrende Organist und Komponist César Franck in dicken Lettern auf die Partitur von «Tristan und Isolde», die in der kurzen Blütezeit des französischen Wagnérisme geradezu ein Kultobjekt unter seinen Kollegen war. Aber er konnte es nicht verhindern, dass dieses «Gift» auch bei seinen Schülern Vincent...

TV-Klassiktipps Februar 2022

alpha

13.02. – 21:45 Uhr
Gluck: Alceste

Bayerische Staatsoper, 2019
ML: Manacorda, I: Cherkaoui, S: Röschmann, Castronovo, Nagy

arte

31.01. – 00:00 Uhr
Christian Thielemann dirigiert die Wiener Philharmoniker

Salzburger Festspiele, 2021
Das Konzert präsentiert ein (spät-)romantisches Programm: Bruckners Symphonie Nr. 7; die Mezzosopranistin Elīna Garanča...