Editorial der Ausgabe Juni 2011

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Goethe war bekanntlich der Meinung, die Postkutsche fahre eigentlich zu schnell, weil man in ihr die wechselnden Düfte der Baumblüten gar nicht mehr aufnehmen könne. Als ein paar Jahrzehnte später die ersten Züge unterwegs waren, trauten viele Fahrgäste kaum ihren Augen und waren schockiert über die Geschwindigkeit. Heute geht das Schnellerwerden so schnell voran, dass wir es kaum noch wahrnehmen. Denken und Fühlen sind dabei längst abgehängt. Deshalb rissen sich die Leser um Sten Nadolnys «Entdeckung der Langsamkeit».

Und das vor drei Jahrzehnten, als die digitale Revolution gerade erst begonnen hatte. Kann Kunst ein Gegengewicht schaffen? Muss sie das sogar? Oder erledigt sie sich selbst, wenn sie nicht mitzieht? Zwei Personalien sind in diesem Zusammenhang interessant.

«Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken»: Unter dieses Motto hat Markus Hinterhäuser das Programm der Salzburger Festspiele 2011 gestellt. Der Appell stammt von Luigi Nono, einem Exponenten des langen Atems – und der leisen Töne. Einer, der den Widerstand gegen die Tragödie des korrumpierten Hörens zu seinem Lebensthema machte (nicht nur im «Prometeo», den man Ende Juli in der Kollegienkirche erleben ...

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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

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