Aus der Stille

Wundersam hermetisch: zur Uraufführung von Toshio Hosokawas Nô-Kammerspiel «Matsukaze» am Brüsseler Théâtre Royal de la Monnaie

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Vielleicht hängt der internationale Erfolg des 1955 in Hiroshima geborenen Toshio Hosokawa mit einer Sehnsucht zusammen – der Sehnsucht der westlichen Welt, die kommerzielle Kolonialisierung Japans nach dem Zweiten Weltkrieg rückgängig zu machen und die alte japanische Kultur wieder leuchten zu lassen: ihre puristische Strenge, ihren Antirealismus, den Kosmos spiritueller Symbole. Hosokawa scheint dafür der ideale Vermittler.

In seiner leisen, schüchternen Art übt er doch vehemente Kritik an seiner Heimat, kritisiert den hemmungslosen Konsum auf allen Ebenen, wirft dem Land technoide und architektonische Vergewaltigung der Natur vor, deren Auswirkungen der jüngste Tsunami und das Phänomen Fukushima drastisch beweisen.

Hosokawas Antwort darauf ist der buddhistische Blick nach innen und die Reinigung von allen «sündigen Anhaftungen», die er für die Unausgewogenheit menschlichen Handelns verantwortlich macht. Seine Musik sucht den Kontakt zu Vorgängen in der Natur, zur spirituellen Bewegung der Kalligrafie, zur aphoristischen Weltweisheit der alten Dichter, besonders zu den stark stilisierten Nô-Spielen des 15. Jahrhunderts. Schon in den Opern «Visions of Lear» (1998, nach Shakespeare) ...

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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Michael Struck-Schloen

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Apropos...Opernschauspieler

Herr Valentine, Sie haben mit Ihrer Dauerpräsenz im Musiktheater quasi ein neues Fach kreiert: den Opernschauspieler.
Ich halte nichts von solchen Etiketten. Mir geht es darum, am Rand zu bleiben. Für Schauspieler ist es immer gut, Distanz zu wahren.

Empfinden Sie es als Vorteil, nicht im Opernsinne singen zu können?
Für mich ist Sprache Musik. Das kann man gar nicht...

TV-Klassiktipps, Juni 2011

ARTE
1./7./13.6. – 6.00 Uhr
Arturo Benedetti Michelangeli
spielt Debussy: Préludes.

2.6. – 6.05 Uhr
8.6. – 6.00 Uhr
14.6. – 6.10 Uhr
Orlando di Lasso: Lagrime di San Pietro.
Collegium Vocale Gent, Philippe Herreweghe.

3.6. – 6.00 Uhr
Thomas Quasthoff singt
Mahler: Kindertotenlieder. Sächsische Staatskapelle Dresden, Zubin Mehta.

3.6. – 16.20 Uhr
Die Pariser Opéra Garnier.
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