«Die Angst ist immer, dass man ein Stück verraten hat, ohne es zu wollen»
Frau Breth, «Wozzeck» war Ihre erste Opernregie in Berlin. Man kann sich nicht vorstellen, dass Sie deswegen nervös werden. Oder doch?
Stimmt, es ist mir relativ wurscht, wo ich inszeniere. Die Bedingungen müssen gut sein. Mich interessieren das Werk, der Dirigent und die Sänger. Das kann sonstwo sein.
«Wozzeck» ist ein einsames Meisterwerk. Vereinfacht das Ihre Arbeit?
Ich würde nicht sagen, dass «Wozzeck» schwerer ist als «Don Giovanni». Beides ist unerträglich schwierig. Ich habe immer Angst, dass ich dem, was geschrieben steht, nicht gerecht werde.
Leichter Sinn und frohes Schaffen: Das ist beides meist nicht dabei.
Muss man so tun, als ob jedes Werk ein Meisterwerk ist?
Absolut. In dem Moment, in dem man etwas für einfach hält, liegt man schon daneben. Sie müssen natürlich eins wissen: Ich mache keine Auftragsarbeiten. Ich mache nur dann eine Oper, wenn ich meine, damit wirklich etwas anfangen zu können. «Wozzeck» ist meine siebte Opernregie. Ich inszeniere überhaupt höchstens drei Stücke im Jahr. Und selbst da wird es schon gefährlich.
Müssen Sie bei der Oper stärker dosieren?
Ja. Schon dieses Vorbuchungssystem in der Oper ist ein Alptraum. Woher soll ich wissen, ob ich 2016 noch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von Kai Luehrs-Kaiser
Das Fest blieb bei den Berliner Festtagen aus. Auch musikalisch. Das Programmheft druckte eine undatierte Erinnerung ab, in der Julius Kapp, Dramaturg der Berliner Uraufführung 1925, darlegt, dass sich «die Wozzeck-Partitur (...) häufig zur Sechs- und Siebenstimmigkeit entwickelt». Davon hörte man in der 12. Reihe des Schiller Theaters meist nur eine bis zwei...
Thilo Reinhardt inszeniert erst gar nicht den «Tanz der sieben Schleier», wie ihn Richard Strauss, vor allem aber Oscar Wilde erdacht haben, sondern lässt währenddessen Herodes auf den übergroßen Phallus des Propheten einhauen, als hieße der nicht Jesus, sondern Lukas. Nicht genug damit: Während sich die Bühne der Komischen Oper immer schneller um die eigene Achse...
Dass der zweite Teil des neuen «Ring» an der Metropolitan Opera weniger enttäuschte als der (dürftig besuchte) «Rheingold»-Auftakt im letzten September, ist kaum überraschend. Die «Walküre» war durch die Bank stärker besetzt, wenngleich Deborah Voigts stimmliche Verfassung bei der Gestaltung der Titelrolle durchaus Wünsche offen ließ. Geprägt wird dieser «Ring»...
