Editorial

Opernwelt - Logo

Man kennt ihn gut in Paris. 1988, da war er gerade 34 Jahre alt, wurde Stéphane Lissner Generaldirektor des Théâtre du Châtelet und bescherte dem Haus einen Aufschwung, von dem noch heute mancher schwärmt. Es folgten Leitungsposten u. a. beim Festival d’Aix-en-Provence und – an der Seite Peter Brooks – im Théâtre des Bouffes du Nord. Derweil sehnte man sich in Sachen Opéra national wehmütig nach vergangenen Zeiten, als ein Künstlerintendant wie Rolf Liebermann das geistige Profil bestimmte.

Erst mit Gerard Mortier, der 2004 für fünf Jahre das Steuer auf Frankreichs größtem Operntanker übernahm, schien der Esprit dieser Ära wiederaufzuerstehen. Mit seinem Nachfolger Nicolas Joël freilich zog wieder gepflegte, stargespickte Kulinarik ein. Wer nicht bloß große Stimmen in schicken Dekorationen erleben wollte, sah sich andernorts um – etwa an der Opéra Comique (die gerade ein turbulentes Barockfest nach André Campra stemmte, siehe Seite 12) oder am Théâtre des Champs-Élysées. Oder fuhr gleich in die vermeintliche «Provinz», nach Lyon zum Beispiel.

Das könnte sich bald ändern. Seit Sommer 2014 zieht Lissner, mittlerweile 62, an der Pariser Oper die Fäden. Und überrascht für die erste von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2015
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Tragik der Landeier

Vrenchen und Sali könnten glücklich sein. Wenn sie nicht das Pech hätten, aus zwei verfeindeten Bauernfamilien zu stammen. Und sie die gehässige Gesellschaft nicht in den Tod triebe. So funktioniert die gängige Lesart von Gottfried Kellers berühmter Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Frederick Delius hat in seiner gelegentlich wieder aufgeführten Oper die...

Fragmente der Verzweiflung

Wie man aus einer wahren Begebenheit ein tragfähiges Musiktheaterstück formen kann, hat jüngst der britische Komponist Joby Talbot (*1971) mit seinem Opernerstling «Everest» gezeigt. Thematisch fühlt man sich erinnert an Christian Josts’ «Angst» (2005): Talbots siebzigminütiges Werk, kürzlich an der Dallas Opera zur Uraufführung gelangt (in Kombination mit dem...

Licht, List und Zärtlichkeit

«Seit ich ihn gesehen ...»: Ein Frauenleben in neues Licht, neue Farben getaucht. Schwärmerische Gefühle einer demütig dem Manne hingegebenen Frau, beschrieben aus der Perspektive eines Mannes – des Dichters Adelbert von Chamisso. Seine Verse sind, wie man in Zeiten von Neofeminismus und Gender-Debatten sagen würde, politically incorrect; widerspruchsfrei ist das...