Editorial
Auf seiner Website nennt er sich «Saddo», vom englischen sad. Dabei klingt seine
Lebensgeschichte gar nicht so traurig. Der britische Tenor Christopher Gillett steht seit 35 Jahren auf der Bühne, überall. An der Scala, in Aix, in Los Angeles. In London hat er einst unter Carlos Kleiber gesungen, Rodrigo in Verdis «Otello». Kürzlich half er an der Seite von Diana Damrau, Iain Bells «A Harlot’s Progress» am Theater an der Wien aus der Taufe zu heben. Gerade probt er in Glyndebourne «Rosenkavalier», da gibt er den intriganten Schwätzer Valzacchi.
Gefühlte hundertmal ist er in Brittens «Midsummer Night’s Dream» aufgetreten, als Flute und als Snout. Vom Namen her wäre Bottom die passendere Partie gewesen – schließlich lauten die Titel seiner beiden Bücher «Who’s My Bottom» und «Scraping the Bottom». Beobachtungen aus dem Sängeralltag, der ja nicht immer von Glanz und Glamour und dem Griff nach den Sternen geprägt ist. Weil der Autor sich dabei selbst gründlich auf die Schippe nimmt, darf er sich auch über andere lustig machen. Künftig erzählt uns Christopher Gillett in einer neuen Kolumne «Aus dem Leben eines Taugenichts» (Seite 81).
Auf Gilletts charmant-despektierliche Randglossen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Die Verleumdung – la calunnia – sie ist ein Lüftchen … Christian Jost (Jahrgang 1963) muss gar nicht Rossini bemühen, um das zu unterstreichen. In seiner 2012 in Antwerpen uraufgeführten Oper «Rumor» nach Guillermo Arriagas Roman «Der süße Duft des Todes» macht der Komponist das Gerücht zum zentralen Motiv (siehe OW 5/2012). Sein Urheber ist gleichwohl keine Figur...
Don Giovanni»: ein (Komödien-)Tohuwabohu. Aber auch die Jagd aller auf alle. 1789, ein Jahr nach der Wiener Erstaufführung, bricht die Französische Revolution aus, die sich auch in Österreich schon abzeichnete, sogar in Mozarts kompositorische Strukturen einging: Wenn in der Tanzszene im ersten Finale Adels-Menuett, bürgerliche Contredanse und bäuerlicher Ländler...
Er ist aus der Mode gekommen, in den Hintergrund getreten. Graue Eminenz der kritischen Theorie, Großmeister geschraubter Dialektik, Scharfrichter über Wahrheit und Fortschritt, zumal in der Musik. Adorno war gestern. Übertönt vom Lockruf der Postmoderne: anything goes. Verdrängt von einem hedonistisch-liberalen Zeitgeist, dem das Asketisch-Rigorose, die...
