Karikaturen, leicht zu durchschauen
Vor der Ouvertüre wird die Stimme des Regisseurs Pippo del Bono eingespielt. Während er von Mozarts Begräbnis erzählt – del Bono lebt seit über zwanzig Jahren mit der Diagnose Aids und verarbeitet die Auseinandersetzung in seinem Schaffen –, schwebt das Porträt des Komponisten auf dem Vorhang, daneben das von del Bonos Mitarbeiter und Muse, dem taubstummen «Bobò», ebenfalls im Stil des 18. Jahrhunderts. Dennoch spielt ein philosophischer Umgang mit dem Tod im Posener «Don Giovanni» so gut wie keine Rolle.
Das westpolnische Haus befindet sich seit der Ankunft des Künstlerischen Leiters Gabriel Chmura 2012 im Aufwind; er hat das Orchester einer Frischzellenkur unterzogen und setzt auf experimentelle Regie: Ein Theater sollte ein Ort der Meinungsvielfalt sein, so der Dirigent im Gespräch. Del Bono folgt freilich nach dem eigenwilligen Auftakt treu dem Libretto, ohne die geistigen Dimensionen des Werks neu zu beleuchten. Farbige historische Kostüme und Möbel prangen zwischen grauen Wänden, in der Bankettszene sorgen schwarze Kleider für ein düsteres, distanziertes Ambiente. Der gelegentlich aufblitzende dunkle Humor deutet auf eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Mozarts und Da ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Rebecca Schmid
Festspiele sollen etwas Einmaliges, Außergewöhnliches, Nicht-Alltägliches sein. Ist dies in einer von den Medien beherrschten Zeit überhaupt noch möglich?
In Wien entsteht jedes Jahr ein im Kleid von Festwochen sich darstellendes Konstrukt aus Veranstaltungen – Theater, Oper, Konzert, Performance, Bildende Kunst –, die einem bestimmten Gedanken folgen. Wenn Sie so...
Der Lustschrei aus dem Auditorium gleich nach dem letzten Akkord des «Don Giovanni» erinnert an die Zuschauer-Hysterie zu Zeiten Karajans, und obwohl Nikolaus Harnoncourt einmal als «Un-Karajan» bezeichnet wurde, scheint vieles nicht unähnlich: ekstatische Publikumsreaktionen, der Medien-Hype und die -Verwertung. Als Ersatz für die wegen des unpässlichen Regisseurs...
Nicht schon wieder, möchte man auf den ersten Blick sagen. Nicht schon wieder dem Theater beim Erschaffen der Illusion zusehen müssen. Nicht schon wieder diese Versuchsanordnung zum Thema «Wie fülle ich eine leere Bühne». Aber erstens passt zu einer Oper nach Shakespeare diese elisabethanische Purheit. Zweitens hat Regisseur Michiel Dijkema an diesem Hause schon...
