Karikaturen, leicht zu durchschauen
Vor der Ouvertüre wird die Stimme des Regisseurs Pippo del Bono eingespielt. Während er von Mozarts Begräbnis erzählt – del Bono lebt seit über zwanzig Jahren mit der Diagnose Aids und verarbeitet die Auseinandersetzung in seinem Schaffen –, schwebt das Porträt des Komponisten auf dem Vorhang, daneben das von del Bonos Mitarbeiter und Muse, dem taubstummen «Bobò», ebenfalls im Stil des 18. Jahrhunderts. Dennoch spielt ein philosophischer Umgang mit dem Tod im Posener «Don Giovanni» so gut wie keine Rolle.
Das westpolnische Haus befindet sich seit der Ankunft des Künstlerischen Leiters Gabriel Chmura 2012 im Aufwind; er hat das Orchester einer Frischzellenkur unterzogen und setzt auf experimentelle Regie: Ein Theater sollte ein Ort der Meinungsvielfalt sein, so der Dirigent im Gespräch. Del Bono folgt freilich nach dem eigenwilligen Auftakt treu dem Libretto, ohne die geistigen Dimensionen des Werks neu zu beleuchten. Farbige historische Kostüme und Möbel prangen zwischen grauen Wänden, in der Bankettszene sorgen schwarze Kleider für ein düsteres, distanziertes Ambiente. Der gelegentlich aufblitzende dunkle Humor deutet auf eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Mozarts und Da ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Rebecca Schmid
Boris Blacher (1903-1975) sorgte mit seiner «Abstrakten Oper Nr. 1» für den größten Opernskandal im Nachkriegsdeutschland (Mannheim 1953). Es war eine Diskussion, die um weit mehr kreiste als nur eine mehr oder weniger gelungene Novität des musikalischen Theaters. Es ging um das Verhältnis von Abstraktem und Gegenständlichkeit in der Kunst, ja um deren...
Welche Brünnhilde ist am schwersten zu singen?
Für mich die der «Walküre», weil sie sehr tief liegt. Ich mache immer drei Kreuze, wenn’s vorbei ist. Die «Siegfried»-Brünnhilde singt sich dagegen wie nix. Und bei «Götterdämmerung» hat man vom Spiel her einen anderen Zugriff. Bei der «Walküre» hat meine Lehrerin Ingrid Bjoner immer gesagt: «Ach Gott, diese...
Der Lustschrei aus dem Auditorium gleich nach dem letzten Akkord des «Don Giovanni» erinnert an die Zuschauer-Hysterie zu Zeiten Karajans, und obwohl Nikolaus Harnoncourt einmal als «Un-Karajan» bezeichnet wurde, scheint vieles nicht unähnlich: ekstatische Publikumsreaktionen, der Medien-Hype und die -Verwertung. Als Ersatz für die wegen des unpässlichen Regisseurs...
